Standen während jahrzehntelanger volkskundlicher Sammel-,Dokumentations- und Forschungsarbeit die spezifischen Kulturäuße-rungen namentlich der bäuerlichen Bevölkerung und mit einigem Ab-stand diejenigen der Arbeiter auf dem Lande und in der Stadt im Vor-dergrund des Interesses, so erschließt sich für die Wissenschaft injüngster Zeit auch die städtisch- bürgerliche Welt des 19. und20. Jahrhunderts. Wohl gibt es auf dem Gebiet der Volkskunde auchhier schon zahlreiche Materialaufarbeitungen und Untersuchungen,etwa für das Vereinstheater); auch ist festzuhalten, daß verschie-dentlich einzelne Sachzeugnisse und ganze Kollektionen für die be-zeichnende Spielform des Papiertheaters, das mit seinen modellhaf-ten Nachbildungen von Inszenierungen der großen Bühnen ein vor-zügliches Bildungsinstrument und Unterhaltungsmittel für die aufsHäusliche bezogene bürgerliche Familie des 19. Jahrhunderts war, inden Besitz von Volkskundemuseen gelangt sind.
Auch das Österreichische Museum für Volkskunde verfügt übereinen gewissen Bestand, der im Laufe der Zeit durch sporadische Er-werbungen eingebracht werden konnte und hier als wertvolle Quelleder Kulturforschung genutzt werden kann. Freilich hat diese Samm-lung nicht den Rang einer systematischen Spezialkollektion, wes-halb in diesem Fall vom Museum gerne der Weg einer Zusammenar-beit mit hochspezialisierten Privatsammlern eingeschlagen wordenist. Die Kooperation mit dem Kreis um Frau Anna Seitler und denHerren Professor Franz Gerstacker, Wilhelm Müller und insbesonde-re Dr. Herbert Zwiauer, alle aus Wien, erwies sich hierbei als eineglückliche Fügung. Gegenstände in überbordender Fülle, liebevollgepflegt und lebhaft gedanklich durchdrungen, aber kaum öffentlichzugänglich, erschließen sich in dieser Ausstellung dem allgemeinenInteresse. Dafür ist diesen Leihgebern, die zugleich die engagierte-sten Mitarbeiter an Ausstellung und Katalog waren, vorweg beson-ders zu danken. Über diese Zusammenarbeit mit Privaten hinauswurde vom Verantwortlichen für die Ausstellung, Oberrat Dr. FranzGrieshofer, Wert auf die fächerübergreifende Kooperation mit deneinschlägigen öffentlichen Sammlungen gelegt. Die Museumsdirek-tion darf sich deshalb bei der Direktion des Österreichischen Thea-termuseums und der Theatersammlung der Österreichischen Natio-nalbibliothek, Herrn Dozent Dr. Oskar Pausch, bedanken, daß er überdie Bereitstellung von Leihgaben hinaus in die Einbeziehung seinerMitarbeiterin Frau Dr. Ulrike Riss in das Ausstellungsteam eingewil-ligt hat. Der Aspekt der theatergeschichtlichen Betrachtung von„ Pa-piertheater" findet sich damit auch in einem Katalogbeitrag von be-rufener Seite gewürdigt. Unverzichtbar war auch der Beitrag des Hi-storischen Museums der Stadt Wien in der Form einer Leihgabe vonBilderbogen aus dem Wiener Verlag Trentsensky, die Frau Dr. Rein-gard Witzmann mit gütiger Erlaubnis ihrer Direktion, Herrn Hofrat
6 PAPIERTHEATER