II. HAUS UND HAUSEINRICHTUNG
In ganz Bulgarien ist die Fachwerkbauweise vorherrschend. DasFachwerk besteht aus einem Balkengerüst, dessen Zwischenräume mitFlechtwerk ausgefüllt werden, welches dann mit Lehm verstrichen wird.Auch der Steinbau aus unbehauenen Steinen und Lehm ist bekannt, dieErdgeschoße von ein- oder mehrgeschoßigen Bauten bestehen aus sol-chen Mauern. Selten und im Rückgang begriffen ist der Blockbau, erwar in einigen Gebirgsgegenden vor allem für Getreidespeicher üblich.Als Material zur Dachdeckung dienten in den Gebirgen meistensSteinplatten, auch das Strohdach war weit verbreitet. Beides wird inneuerer Zeit vom Dachziegel verdrängt.
Der Herdraum ist das Zentrum und der wichtigste Raum des bulgari-schen Hauses, er enthält außer dem Herd auch noch eine Vorrichtungzum Aufhängen von Wassergefäßen, Eẞgeschirr, Küchengeräte und Be-hälter für Lebensmittel. Der zweite Raum wird durch einen vom Herdaus geheizten Ofen erwärmt und dient als Aufenthalts- und Schlafraum.Erdhütten waren im 19. Jahrhundert in der Donauebene weit verbrei-tet, die Lehmdächer waren meist mit Gras bewachsen und die Schorn-steine korbartig geflochten. In diesen Hütten hausten die Menschen zu-sammen mit dem Vieh, um im Winter die Stallwärme auszunützen.
Das Haus der Šopen in der Umgebung von Sofia sowie nördlich undwestlich davon hat Fachwerkwände und ein vierflächiges Dach ausStroh, im Balkan aus Steinplatten. Der Grundriß ist ein Rechteck, wel-ches in zwei oder drei Räume unterteilt ist, von denen der mittlere denHerd enthält. Der Schornstein ist geflochten und hat die Form einesbreiten Kegelstumpfes. Neben dem Herdraum ist meist eine Stube, wel-che als Schlafzimmer und im Winter auch als Wohnzimmer dient.
Das Balkan- Haus hat einen fast quadratischen Grundriß, welcherkreuzförmig in vier Räume unterteilt ist. Das Erdgeschoß ist steinge-mauert und dient Wirtschaftszwecken, die Wohnräume befinden sich imaus Fachwerkwänden errichteten Stockwerk. Dach und Schornstein be-stehen aus Steinplatten.
Das ,, Strandža"-Haus ist ein Blockbau, der Eingang führt direkt in denHerdraum, hinter diesem befindet sich der Vorratsraum. Manchmal istes auch als Stockhaus gebaut, dann befindet sich das Wohnstockwerküber einem als Stall dienenden gemauerten Erdgeschoß.
Auch beim Rhodopen- Haus ist das Erdgeschoß gemauert, das Wohn-stockwerk besteht aus Fachwerk, der Grundriß ist bereits weiter ent-wickelt. Alle Räume sind mit Fenstern versehen, auffällig sind die rei-che architektonische Gestaltung mit Erkern, Fenstern, Schornsteinenund Steinplattendach und die sorgfältige Einrichtung des Hauses.
Das Zentralbulgarische Haus weist einen offenen breiten Flur vordem Herdraum auf. Das vierflächige Dach deckt auch diesen Flur und
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