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Bulgarische Volkskunst : Sonderausstellung ; aus der Sammlung des Ethnographischen Museums Plovdiv, Bulgarien ; Katalog
Entstehung
Seite
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Katalog

Von Elena Kolewa

mit Nachträgen von Felix Schneeweis

I. VOLKSTRACHT.

WEB., STICKEREI., STRICK- UND GOLDSCHMIEDE- VOLKSKUNST

1. Gewebe und Stoffe

Die Hauptaufgabe der Bulgarin war einst die Verarbeitung der Schaf-wolle zur Herstellung der Bekleidung und anderer Textilien. Die Wollemußte zuerst gereinigt werden, dann konnte sie mit der hölzernen Spin-del zu einem Faden versponnen werden. Dazu wird die Wolle auf einenSpinnrocken gesteckt, man unterscheidet solche, die hinter den Gürtelgesteckt oder unter den linken Arm geklemmt werden, dann Hand-rocken, die in der linken Hand gehalten werden, und Standrocken. DieGürtelrocken sind überall in Bulgarien verbreitet, ihre Formen variierensehr stark, manche davon sind für bestimmte Gegenden charakteri-stisch. Zum Weben der Wolle sind fast ausschließlich Horizontalweb-stühle in Gebrauch, je nach der Lage der Kette zum vorderen Weber-baum lassen sich verschiedene Typen feststellen. Neben diesen großenWebstühlen, auf denen auch Teppiche, Decken, Säcke und Taschen her-gestellt werden, gibt es noch die Brettchenweberei, bei der schmaleGurte hergestellt werden. Wollstoffe für die Oberbekleidung werdenhäufig noch gewalkt, teilweise mit den Händen, in anderen Gegendenauch mittels einer durch Wasserkraft angetriebenen Walkmühle.

In der herkömmlichen Webkunst leben alte technische und künstleri-sche Überlieferungen fort. Jahrhunderte hindurch hat die kulturelle Ge-wohnheit die geschickten Hände der Bulgaren beim Schaffen der viel-fältigen Hausstoffe geführt, wie sie bei der Anfertigung von Bekleidung,von Wohnausstattung, von Behältnissen zum Tragen und Aufbewahrenvon Lebensmitteln und von Gegenständen für die Begehung festlichenBrauches Anwendung gefunden haben. Die technische Ausführung, dieOrnamentik und die Farbgebung tragen vielleicht noch Kennzeichen dervon den Thrakern, Slaven und Protobulgaren, den Begründern des er-sten bulgarischen Staates im Jahre 681, geschaffenen Stoffe.

Mit der Grundtechnik, einem lockeren und vierfachen Gewebe, berei-chert mit bunten Fäden und durch zahlreiche Kombinationen, schuf dieBulgarin eine einmalige Schönheit in ihrer häuslichen Welt. Die verwen-deten textilen Fasern sind Hanf und Leinen, Wolle und Ziegenhaar,Baumwolle, Seide und Maisstroh.

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