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Bulgarische Volkskunst : Sonderausstellung ; aus der Sammlung des Ethnographischen Museums Plovdiv, Bulgarien ; Katalog
Entstehung
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4. Volkstracht: Saja und ärmelloses Kleid

Die Tracht als Teil der materiellen Volkskultur vermittelt ein anschau-liches Bild von der ethnographischen Vielfalt des bulgarischen Volkes.Die herkömmliche Bekleidung ist ein äußeres Merkmal für die regionaleoder lokale Zugehörigkeit, das berufliche und ökonomische Niveau, denFamilienstand, das Alter ihres Trägers wie auch dessen Rolle im Fest-brauch. In der traditionellen Bekleidung werden die künstlerischen undtechnischen Leistungen der Web-, Stickerei-, Strick- und Goldschmiede-kunst wie in einem Fokus vereint.

In der Plovdiver Region kennt die Bevölkerung zwei Arten von Frauen-bekleidung, das ärmellose Kleid und Saja, sowie eine Art Männerbeklei-dung.

Die Saja- Volkstracht ist für einen Teil der Rhodopensiedlungen unddie Dörfer längs der Marica charakteristisch. Es ist das ein vielfarbig ge-streiftes Kleid, welches über einem weißen oder kenarem Hemd angezo-gen und mit einer farbigen, karierten Schürze und einem schmalen Gurtumbunden wird. Je nach Jahreszeit und Arbeitsverrichtung werden dieZusammensetzungen der Sommersaja und Winteraladja getragen. DieFarben und die Verzierungen der Saja und Aladja hingegen sind vom Al-ter und Familienstand ihrer Trägerinnen abhängig.

Die alte Tracht mit ärmellosem Kleid ist für die Siedlungen der SrédnaGorá- Region, des Flachlandes und der Mittelrhodopen charakteristisch.Die Ausschmückung der ärmellosen Kleider in den Dörfern im Westenund Norden von Plovdiv besteht aus einigen Reihen Litzen, vielfarbigenRöcken und Filigranfäden am Halsausschnitt und an den Röcken.

Reicher und kunstvoller ist die Ausschmückung der Rhodoper Kleideraus Wolle. Die besteht aus vielen Litzenreihen und weißem Filigran aufden Röcken, am Halsausschnitt und an den Ärmeln.

Die Frauenoberkleider, Weste, langes Oberkleid, Jacken, haben auchihre eigenen Zeichen. Das Gefühl für Kunst bewegt die Hand der Bulga-rin, um die linearen Litzenausschmückungen mit reichem sozialem In-halt auszuarbeiten.

Am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist ein Teil derTrachten mit ärmellosem Kleid als Folge der politischen, ökonomischenund kulturellen Veränderungen einem Wandel unterworfen gewesen.Der traditionelle Schnitt wurde verändert, das Kolorit hat eine Bereiche-rung erfahren, die gesamte Linie dagegen wurde einfacher. Ein neuesKleid ist entstanden: die ,, Fustanela".

Die Männertrachten weisen die Naturfarbe der Wolle auf, oder sinddunkel und immer mit Litzenreihen ausgeschmückt. Die Aus-schmückung zeigt das Alter, den Besitz- und Familienstand des Man-

nes.