Produkt Muttertag
schafts- und Hausfrauenfunktionen erwächst, durch Erleichte-rungen im Beruf zu kompensieren, ihr die Erfüllung diesergesellschaftlichen Funktionen überhaupt erst zu ermöglichen,handelt es sich nicht um eine ungerechtfertigte Heraushebungder arbeitenden Frauen, sondern nur um das Bestreben, ihreerschwerten Arbeitsbedingungen denen des Mannes anzuglei-chen.<<
Die Haltung der politisch aktiven Frauen schwankte demzufolgezwischen Kritik an der Unzulänglichkeit der meisten Gesetze, Sorgevor möglicherweise» überzogenen«< Forderungen und der Überzeu-gung, die Masse der politisch noch indifferenten, sich im bloẞenExistenzkampf verbrauchenden Frauen zuallererst über ihreBedürfnisse als Mütter gewinnen zu können. Zu alldem kam noch,daß sich die Einschätzung dessen, was für die Arbeiterschaft ganzgenerell jeweils erreicht wurde, bis zum Ende der Monarchie zwi-schen radikaleren und gemäßigten Vertretern in prinzipieller Hin-sicht unterschied: der radikaleren Auffassung nach machte sich inder Neigung, Schutzbestimmungen in jedem Fall für einen Fort-schritt zu halten, eine Art» Palliativ- Sozialismus« bemerkbar. Ver-ständlich wird diese prinzipielle Skepsis, die sich auch darin äußer-te, die erlassenen Schutzbestimmungen für Frauen nicht notwendigfür einen echten Gewinn zu halten, durch die durchwegs beobacht-bare Tendenz, daß die Sonderregelungen der Gewerbenovelle- wiez.B. das Nachtarbeitsverbot für Frauen zwischen 22 Uhr und 5 Uhrfrüh oder die Sonntagsruhe- durch zahlreiche Ausnahmeregelun-gen bzw. arbeitsorganisatorische Maßnahmen wie die Einführungder Schichtarbeit möglichst umgehend kompensiert wurden.
Von bevölkerungspolitischen Motiven
hin zum Gesundheitsinteresse
Was das zähe Zustandekommen und die schleppende Umsetzungdes Mutterschutzes aus heutiger Sicht kaum begreiflich macht, istim besonderen die Ungerührtheit, mit der die nachweislich bekann-ten Auswirkungen der mangelnden Schonung für Mütter wie gleich-ermaßen Säuglinge und Kinder aus wirtschaftlichen Erwägungen inKauf genommen wurden. Die spezifisch ungünstigen Resultate derErhebungen über den Gesundheitszustand der industriell undgewerblich tätigen Bevölkerung waren( zumindest) den offiziellenKreisen aus der amtlichen Statistik wie der Sanitätsberichtserstat-tung, aus ärztlichen Hinweisen und speziellen Untersuchungendurchaus bekannt. Aus ihnen ging eindeutig hervor, daß etwa dieTotgeburtenhäufigkeit bei den in Industrie, Handel und Gewerbebeschäftigten Frauen Wiens etwa doppelt so hoch lag wie bei jenen
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