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Produkt Muttertag : zur rituellen Inszenierung eines Festtages ; Begleitbuch zur Ausstellung: Produkt Muttertag - Zur Rituellen Inszenierung eines Festtages, 6. April bis 4. Juni 2001, Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien
Entstehung
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Produkt Muttertag

>> Ich hab meiner Mutter eigentlich immer Blumen geschenkt.

Wobei ich immer drauf achte, daß es keine Schnittblumen sind,sondern irgend etwas, was sich länger hält, was man vielleicht inden Garten pflanzen kann, später dann.«( T.B.)

Die Geschenke dieses Tages werden sehr stark mit Symbolcharakterbelegt. M.G.C.:

>> Nett wäre irgend etwas, was eine Bedeutung hat.<<

Da Mütter sich heute vieles zumeist selbst leisten, fällt es Kinderngar nicht so leicht, mit kreativen Ideen aufzuwarten, zumal wenn sieim Grunde darauf achten, ihre Mutter nicht nur in ihrer Hausfrauen-rolle zu sehen. Mit Schrecken erinnert sich S.H. daran, daß ihr undihrem Bruder einmal absolut nichts anderes eingefallen war als einHaushaltsgerät:

>> Was schrecklich war. Sie bekam ein Gerät, mit dem sie uns dannwieder bekocht. Dieses G'fühl, jetzt sind wir in diese klassischeRolle verfallen, wir schenken ihr jetzt etwas, womit sie dann wie-der Arbeit für uns hat, das war nicht so toll. Weil wir's selbst jalächerlich g'funden haben, aber uns ist nix anders eing'falln.<<Die ehrenvolle Bedeutung des Muttertags fand sich in den Inter-views mitunter auch in einer gewählteren Sprache wieder: vom»> Sicheinfinden<< war da zum Beispiel die Rede, vom» Einnehmen«< der Jau-se und dem>> Überreichen«< der Geschenke. Zur weiteren bürgerlichenDarstellung dieses Tages gehörte es, zum Ausdruck zu bringen, daßdas Ehren beziehungsweise der Kontakt ja nicht nur auf den Mutter-tag beschränkt blieb.

Wie sich die Sprache beim Thema Muttertag bei manchen veränder-te, so finden sich an diesem Tag auch Spuren eines geänderten sozia-len Verhaltens. M.N. weiß heute noch, wie befremdlich und geradezuabsurd sie die Muttertagszeremonie in ihrer Familie erlebte:

>> Ja, das war bei uns ganz speziell. Also meistens war's so, daẞmein Vater uns Blumen kaufen g'schickt hat. Oder wir sind los-g'stapft und haben Blumen gepflückt. Am Vormittag war dannnichts Besonderes. Es war nicht so, daß wir jetzt Frühstückg'macht hätten, wie das ja bei manchen üblich ist. Aber nach demMittagessen ist eine Inszenierung passiert. Das war so, daßẞ mei-ne Mutter auf einem Sessel g'sessen ist, sehr isoliert eigentlich.Nicht an einem Tisch, sondern vor den Blumen. Wir fünf Kinderwaren mehr oder weniger in einer Reihe aufg'stellt und sind ein-zeln vormarschiert, haben die Gedichte oder was auch immerdargebracht und mein Vater hat fotografiert.<<

Haben die einen eher beklemmende Muttertage in Erinnerung, sohaben andere das Gefühl, immer nach» Schema F« zu feiern. Wenn esdoch>> schönste Muttertage« gegeben hat, dann werden sie an obengenannten Kriterien gemessen, die freilich einer individuellenSchwerpunktsetzung folgen dürfen: daß die ganze Familie da ist, die

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