8 Rudolf M. Lüscher: Henryund die Krümelmonster. Ver-such über den fordistischenSozialcharakter, Tübingen1988, S.201/ 02.
9 Karin Hausen: Mütter, Söhneund der Markt der Symboleund Waren: Der deutscheMuttertag 1923-1933; in:Medick, Hans/ Sabean, David:Emotionen und materielleInteressen. Sozialanthropolo-gische und historische Bei-träge zur Familienforschung,Göttingen 1984, S.473ff.
10 News, 11.5.2000.
11 Kronen- Zeitung, 11.5.2000.12 Kurier, 10.5.2000.
13 Kurier, 6.5.2000.
14 Mike Featherstone: Consu-mer Culture& Postmoder-nism, London u.a. 1991.
III. Zwischen Tradition und Vermarktung
Ben, die untereinander eine privilegierte und je einmalige Bezie-hung unterhalten, welche sämtliche von der Außenwelt her einbre-chenden Konflikte auffängt, auspendelt und an der uneinnehmbarenFestung eines Gespinstes aus Gesten, Wörtern, Hautkontakten zer-brechen macht.<< ³
Die>> Familialisierung« der fordistischen Gesellschaft ist kein prag-matischer Prozeß. Er ist von der Stiftung moderner Mythen inspi-riert ohne eine solche Mythe ließe sich wohl kaum eine derartkonsequent verfolgte» kollektive Erinnerung« wie der» Muttertag<<erfinden. Unmittelbar nach dem I. Weltkrieg wird die mütterlichemoralische Ökonomie vorerst einmal metaphorisch auf das ganzeVolk ausgedehnt, und es werden von den Protagonisten- die>> völki-sche<< Rechte, die evangelische Kirche, nicht zu vergessen die Blu-menhändler- Gebärbereitschaft, Sexualhygiene, wissenschaftlicheHaushaltsführung et cetera et cetera zu einem einzigen staatspoliti-schen Anliegen verknüpft. Die kleinen Geschenke, die man den Müt-tern bringt, sind Gottesdienst an der Nation.( Die hier verehrte>> deutsche<< Mutter ist keine biologische und kulturelle Figur mehr,sondern eine Allegorie.) 9 Doch einen Krieg später löst sich diemoderne Mythe- aus Gründen, die hier nicht zu erörtern sind- vondieser nationalen Metaphysik, wird sozusagen» privatisiert«< undgeht ganz in der Intimitätsbeziehung auf. Ihren Code allerdings-die Liebe- behält sie bei. Und gerade dadurch wird der» Muttertag<<Ende des 20. Jahrhunderts so beunruhigend, wie die Eingangsbei-spiele unterstreichen.
Die Liebesgabe zum» Muttertag« führt einen aussichtslosenAbwehrkampf. Gegen» Daisy- Das ideale Muttertagsgeschenk mitPfiff«<, nämlich ein sprachgesteuertes Telefonbuch von Siemens¹º;gegen das SAGEM MC 930, ein wiederaufladbares Wertkartenhandyplus Schokoladen- Torte von Hartlauer¹¹; gegen einen Smaragdringvon Harry Brunner um öS 230.000,-12; den Hyundai- Muttertags- Atos( www.hyundai.at) oder die Überraschungs- CD mit Mutters Lieb-lingslieder, eingespielt von den eigenen Kindern. 13 Small- scale- eco-nomies und flexible production haben nicht nur das FließbandFord'scher Provenienz abgelöst, sondern auch eine neue Kultur, dieder Mutter und Hausfrau ihr Monopol auf soziale und emotionelleKompetenz entwindet. Die Regulatoren einer auf der direkten undselbst- erfinderischen Nachfrage ALLER Gesellschafter, auch derKinder( von 0-6), beruhenden consumer society brauchen keine Ver-mittlung( und keinen Aufschub, auch keinen Verzicht) mehr. Sieagieren über Desire und Pleasure, wie Mike Featherstone schreibt,über unmittelbare( Konsum-) Entscheidungen nach Verlangen undVergnügen. 14( Natürlich steht dem auf der Realitätsebene einiges
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