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Produkt Muttertag : zur rituellen Inszenierung eines Festtages ; Begleitbuch zur Ausstellung: Produkt Muttertag - Zur Rituellen Inszenierung eines Festtages, 6. April bis 4. Juni 2001, Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien
Entstehung
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Muttertag!

080 Postkarte, um 1941

23 Österreichisches Staatsar-chiv Wien/ Archiv der Repu-blik, Brief von Appolonia B.an die Reichskanzlei Berlin,dat. Wien, den 7. Juni 1943.Sign.: Ia Pol RStH Wien.

24 Ebd. Brief Anna D., An denReichsstatthalter in Wien,dat. 30. Juli 1943.

25 Ebd.

26 Österreichisches Staatsar-chiv Wien/ Archiv der Repu-blik, Betr.: Ehrenkreuz für dieMutter Marie B., Stellung-nahme des Blockleiters,Wien, den 26. Juni 1942,Abschrift. Sign.: Ia Pol RStHWien.

27 Ebd.

II.

Autoritärer Staat und Machtapparat

>> Mit Vorliegendem bitte ich um Verleihung des Mutterkreuzesund führe wie folgt aus: Bin Mutter von drei Töchtern und dreiSöhnen, wovon zwei im Militärdienste stehen. Bin Witwe undwar auch mein Mann im Kriege 1914-1918 während 33 Monate(...) an der Front. Wiewohl ich des öfteren im hiesigen Kreis des-wegen vorstellig wurde, bin ich bisnun die einzige, welche das-selbe nicht verliehen erhalten hatte. Es erwächst mir unteranderem ein Schaden insofern, da ich im Vorjahr, sowie auchheuer, hinsichtlich des Urlaubes benachteiligt bin. Aus diesenoberwähnten Gründen wende ich mich daher direkt mit derBitte an die Kanzlei unseres Führers. Indem ich einer günstigenErledigung meines Ansuchens entgegen sehe, empfehle ich michmit Heil Hitler!<< 23

Vielen Frauen und ihren Familien war es offenbar nicht bewußt,daß sie sich aufgrund einer solchen Anfrage möglicherweise dernochmaligen Überprüfung durch die für das Mutterkreuz zuständi-gen Stellen zu unterziehen hatten. Dies konnte im nachhinein einegutachterlich bestätigte» Unwürdigkeit« zur Folge haben. Ebenfallsbestand die Gefahr, daß das bei den Behörden in Vergessenheitgeratene negativ bescheidete Antragsverfahren neu aufgerolltwurde. In einem an den» Reichsstatthalter in Wien« adressiertenBrief aus dem Jahr 1943 beklagt Frau Anna D., daß sie ein ihrbereits zwei Jahre zuvor zuerkanntes goldenes Mutterkreuz nochimmer nicht erhalten hatte, weil es damals, vermutlich aufgrundvon Lieferschwierigkeiten,» nicht vorhanden war. Man vertröstetemich für später«.24 Aufgrund dieser Beschwerde wurde vom Gauju-gendamt Wien» der Akt(...) einer neuerlichen Durchsicht unterzo-gen« und festgestellt, daß» eine Tochter Trinkerin( ist), weshalb sichdas Gesundheitsamt gegen die Verleihung ausgesprochen hat<<. 25

Prinzipiell hatten alle Privatpersonen die Möglichkeit, den Ämtern>> würdige<< Mütter für die Verleihung vorzuschlagen, was natürlichauch ein enormes Potential der Denunziation mit einschloẞ. Sowurde zum Beispiel in einer polizeilichen Anzeige die» Mutterkreuz-Würdigkeit<< einer Frau aufgrund ihrer und ihres Mannes Herkunftin Zweifel gezogen. Der sachbezogenen Stellungnahme eines zustän-digen Blockleiters des zweiten Wiener Gemeindebezirkes ist zu ent-nehmen, daß»> die Anzeigerin(...) sich auf Angaben einer Hausparteiberuft«.26 Obwohl nach» Prüfung der Urkunden« der mit dem Fallbetraute»> Organisationsleiter«» keinen Anlaß gefunden« hatte,>> dieAbstammung anzuzweifeln«, gelangt der Blockleiter zur abschlie-Benden Bemerkung, daß» das Aussehen des B.(...) jedoch die Vermu-tung einer nicht einwandfreien Abstammung nicht unbegründeterscheinen<< lasse.» Dieser Verdacht wird vielleicht noch durch den

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