Druckschrift 
Gnadenreiches Jesulein : Jesuskindverehrung in der Andachtsgraphik ; Österreichisches Museum für Volkskunde im Gartenpalais Schönborn
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

mit Heu gefüllte Krippe aufgestellt und auch Ochs und Esel herbeigeführt.Während seiner innigen Predigt über das Kind von Betlehem, glaubte somancher der Anwesenden zu sehen, wie der heilige Franz das Kind aus derKrippe nahm und es liebkoste.

In den Folgezeiten sind es aber vor allem die Frauenkonvente, in de-nen man solch wundersamen Erscheinungen begegnet. Begründet in denmannigfachen Visionen der Mystikerinnen des 14. und 15. Jahrhunderts,sind die Frauenklöster als Keimzellen der Jesuskindverehrung anzusehen.Trotz des gemeinschaftlichen Lebens, das stets dem Gebet und der Arbeituntergeordnet war, entsprang der Einsamkeit in ihren Zellen manch heim-licher Wunsch nach einem eigenen Kinde. Somit ist es nicht verwunderlich,daß die liebevolle Pflege eines visionären Kindes die nicht wirklich erlebteMutterschaft ersetzte und gleichzeitig die Liebe zu Jesus, ihrem himmli-schen Bräutigam, gestärkt wurde. Durch ihre realistisch durchlebtenVisionen sahen sie sich als Nachfolgerinnen Marias in der Sorge um dasJesuskind.

In der Geschichte der deutschen Frauenmystik kommt dem thüringi-schen Kloster Helfta bei Eisleben durch die besondere Jesuskindverehrungdreier Frauen, nämlich Mechthild von Magdeburg( gest. 1280), Mechthildvon Hackeborn( gest. 1290) und Gertrud der Großen( gest. 1302) bereits im13. Jahrhundert Bedeutung zu. Für diese gelehrten Nonnen war der Um-gang mit dem Jesuskind ein rein geistliches Spiel, äußerliche Andachts-hilfen wurden abgelehnt, weil sie von der Vertiefung in die Geheimnissedes Glaubens abgelenkt hätten.

Bekannt ist auch Margareta Ebner( um 1291-1351), Dominikanerinim deutschen Maria Medingen bei Dillingen, die eine besonders innigeLiebe zum Jesuskind auszeichnete. Passionsmystik und Gedanken an dasliebliche Kind wechselten sich in ihrem geistigen Leben ab. Das schönsteGeschenk wurde der Nonne aber zuteil, als sie am 26. Dezember 1344 einBildnis des Jesuskindes aus Wien geschenkt bekam, dem sie ihre visionäreMutterschaft angedeihen ließ.

Dem Kinde Jesu war auch die Wiener Mystikerin Christina Rigler( 1648-1705) sehr zugetan, wie ihre Visionen zeigen, die den berichtetenErscheinungen aus mittelalterlichen Frauenklöstern durchaus gleichen.( s. Aurenhammer, Kultur und Volk). Das Jesuskind trieb mit ihr Kurzweil",indem es sich hinter einer spanischen Wand verbarg, manchmal hervor-kam und sie dabei freundlich ansah. Sie hatte auch ein kleines gläsernesKästchen mit einem wachsbossierten Jesuleinbildnis, welches sie in derWeihnachtszeit in einer Krippe verehrte. Solche Seelentrösterlein wurdenauch den Klosterfrauen bei ihrer Einkleidung von den Angehörigengeschenkt. Diese, meist mit einem Prunkgewand bekleideten Figürchen,durften sie in ihren Zellen aufstellen.

Christine Rigler stand außerdem dem Orden der Ursulinen sehrnahe, dem die Verehrung des Jesusknaben ein wichtiges Anliegen war. Beiden Ursulinen wurde auch die Tradition des Kindlwiegens gepflegt. DieserBrauch, zu Weihnachten eine Jesuskindfigur in den Schlaf zu wiegen, ist

22