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Zinn : Gerät in Alltag und Brauch ; aus der Metallsammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde ; Katalog
Entstehung
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G. Zinngerät mit religiösen Motiven

bzw. in religiösem Brauch

Wie in der Volkskunst allgemein üblich, so gibt es selbstverständlichauch auf dem Zinngerät religiöse Motive. Vielfach ist es der Namens-patron, der hier verewigt dem Besitzer des Zinngeräts Glück und Segenbringen soll; oder aber es sind andere Heilige, die die gleiche Funktionausüben sollen. Auch können die religiösen Motive an bestimmteAnläẞe aus dem Jahres- oder Lebensbrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Lebensbrauchtum erinnern( Weihnach-ten, Firmung).

Andererseits benötigen die großen Religionen zur Ausübung ihresRitus' und zur Ausstattung ihrer Kirchenräume Gerät und Auszier. Diesalles durfte aber in der frühen katholischen Kirche nur aus Edelmetallen( Gold und Silber) hergestellt sein; erst durch entsprechende Beschlüs-se auf der Synode von Reims( 803- 813) wurden Kelche und anderesGerät aus Zinn für die ärmeren Gemeinden erlaubt.

Die viel jüngere evangelische Kirche war in dieser Hinsicht weniger traditi-onsgebunden und kannte keinerlei Vorschriften betreffs Form und Material;lediglich der Zeitgeschmack und die Gemeinde entschieden darüber.Nicht unerwähnt soll hier der Brauch der Fußwaschung am Kaiserhofzu Wien sein. Seit dem Mittelalter übten die dem Christentum verbun-denen Fürsten und Regenten nach dem Vorbild des Papstes und derBischöfe den Brauch der Fußwaschung am Gründonnerstag aus. Zwölfarme Männer oder Frauen wurden mit ihren engsten Anverwandten zurrituellen Fuẞwaschung mit anschließendem reichlichem Mahle einge-laden. Mit großem, strenggehaltenem Zeremoniell führte auch derKaiser in Wien diese Brauchhandlung durch. Als Andenken erhieltendiese ,, Auserwählten" Fußwaschungskrüge und Schüsseln, die entwe-der aus Steingut oder Irdenware waren. Weitere Andenken wareneigens für diesen Anlaß gewebte Tücher, geschneiderte festliche Klei-dungsstücke, Almosenbeutel oder Bilder. Vielfach allerdings übergabman den Armen reichlich gravierte Zinnbecher.

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Motivteller: Heilige Barbara

1. Hälfte 18. Jahrhundert

Zinnmarke( 2 Löwen) nicht bestimmbar.

Tiefer Teller( Schüssel), Spiegel mit geflechelter Darstellung der heili-gen Barbara mit Schwert und Kelch mit Hostie und Turm. Auf der Fahnezwischen zwei Blattzweigen geflecheltes Christusmonogramm, HS".

d= 32,8 cm

Inv.-Nr. 46.435

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