H. Zunftgerät
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Die Zünfte besaßen einen reichen Schatz besonders repräsentativenGeräts. Auch hier war das Silber seltener nur die Vorsitzendenbenutzten silberbeschlagene Löffel und Messer-, die überwiegendeMenge des auf uns gekommenen Gerätes bestand aus Zinn, wie z.B.Hauptplatten, welschen Schüsseln, Obstplatten, Kapern- und Reis-,, plättlein", Senfschüsseln, geschraubten Salzbüchsen, Tellern und Löf-feln, Schraubflaschen, Kannen, Humpen und sonstigen Prunkgefäßen.Solange Zünfte existierten, konnte sich das aus der Tradition stammen-de und haltbarere Zinngerät behaupten; die anderen Materialien wiePorzellan, Fayence, Steingut oder Glas konnten sich nicht mehr imzünftischen Brauch durchsetzen. Die Trinkgefäße gehörten zu denkostbarsten Besitztümern einer Zunft und bekundeten den Fremdenund Gästen den Wohlstand von Zunft oder Besitzer.
Der ,, Willkomm", ein Trinkgefäß, der zur Begrüßung oder anläẞlich einerMeisterprüfung herumgereicht wurde, hat als Vorbild den großen sil-bernen Prunkpokal der Renaissance. Im 16. Jahrhundert kamen diesezinnernen gefuẞten Pokale in Gebrauch. Die Deckelpokale habeneinen Rundfuß und gegliederten Schaft, der Gefäßkörper besteht auseinem zylindrischen Teil zwischen Profilringen am Lippenrand und demunteren Ende. An den Profilringen befinden sich oftmals Löwenmas-ken, von denen gravierte Zunftembleme oder Widmungsschilder hän-gen. Der abnehmbare Deckel hat eine Figurenbekrönung( Krieger,Ritter, Herold), Banner und Schild oder Handwerksemblem haltend.Nicht allein die jeweiligen Gravuren, sondern auch die Formen derPokale nehmen z.T. vielfachen Bezug auf die jeweilige Zunft. Häufigerals die Pokale allerdings findet man die Zunfthumpen. Auch sie weisenentsprechende Zunftzeichen und Inschriften- graviert oder in einemanderen Metall- auf. Manche dieser Gefäße weisen am Boden eineSchraubvorrichtung auf. Auf diese Vorrichtung konnte man durchlochteEinsätze oder Kappen aufschrauben. Um Bier( ,, Würzbier") oder denvielfach sehr sauren Wein schmackhafter zu machen, gab man Gewür-ze wie Muskat, Ingwer oder andere Kräuter in den Einsatz und konntesomit den Inhalt geschmacklich„ aufbessern".
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