VIII. Feuerzeuge
Bevor die Schwefel- und Phosphorhölzchen und Mitte des 19. Jahr-hunderts die Sicherheitszündhölzer in Gebrauch kamen, mußtenFeuer und Licht mühsam durch Schlagen erzeugt werden. Mit Stahlund Feuerstein wurden solange Funken geschlagen bis ein Funke denbereitgelegten Zunder( Zündschwamm) zum Glimmen brachte und einHolzspan oder ein Schwefelfaden daran entzündet werden konnte. Eswar eine zeitraubende Tätigkeit, die in bürgerlichen Haushalten meistden Hausfrauen und Mägden zufiel. Wieviel Geschicklichkeit, Aus-dauer und Glück dazu vonnöten waren, veranschaulicht ein Berichtvon Louise Otto- Peters für die zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts:,, Licht machen! Ja, das war zur Zeit unsrer Großmütter eine Kunst, dienur wenige verstanden- und wenn sie eine Magd mieteten, so war miteine der ersten Fragen die: ob sie auch Licht machen könne? In jederKüche stand damals meist auf einem Sims über dem Herd ein länglichviereckiges Kästchen von weißem Blech, dasselbe enthielt vierGegenstände, die man haben mußte, um Licht zu machen: einenStahl, ein Stück Feuerstein, Schwefelfaden und in einer nach untenmit Blech geschlossenen Abteilung eine braunschwarze trockneMasse, die man, Zunder' hieß. Dieselbe ward hergestellt meist aus-alten Strumpfsocken, welche man deshalb in jeder Haushaltung sorg-fältig aufhob und die von der Hausfrau oder Köchin am Licht so weitgesengt oder gebrannt wurden, daß sie schwarzbraun aussahen undleicht auseinanderfielen. Da aber dieser Stoff den Funken nicht auf-fing ,, nicht fing', wie man kurzweg sagte, wenn der Verbrennungspro-zeẞ zu weit oder auch zu wenig vorgeschritten war, so gehörte ebenso viel Geschick als Erfahrung dazu, das richtige Maß zu halten.Wollte man also Licht haben, so schlug man mit Stahl und Feuersteinzusammen über dies Zunderkästchen, bis einer der heraussprühen-den Funken da hineinfiel und als glühendes Pünktchen sich darin solange verhielt, bis es gelang, mit Hilfe des Atmens dem daran gehalte-nen Schwefelfaden ein blaues Flämmchen zu entlocken und damit dasbereitstehende Licht zu entzünden- pustend und hustend, denn derSchwefeldampf kam meist in die Kehle-, und so geschah es manch-mal, daß ein unfreiwilliges Husten und Niesen das Licht wieder aus-löschte und die Arbeit von Neuem beginnen mußte."
Lit.: Louise Otto- Peters: Frauenleben im Deutschen Reich. Leipzig 1876. Seite 22 f.Ingeborg Weber- Kellermann: Frauenleben im 19. Jahrhundert. München 1983. Seite66 f.
70