Volkskundemuseum
Wien
Das Volkskundemuseum Wien ist das größte volkskundliche MuseumÖsterreichs. In seinem aktuellen Sammeln, Bewahren, Forschen und Aus-stellen spiegelt es gesellschaftliche Prozesse. Im Zentrum stehen die kul-turellen Äußerungen sozialer und ethnischer Gruppierungen in Geschich-te und Gegenwart. Der Schwerpunkt liegt im europäischen Kulturraum.
GegenwärtigeAusstellungsformateund die ständigeSchausammlung zeigenden umfangreichenund vielfältigenSammlungsbestandaus Europa
Michael Haberlandt und Wilhelm Hein, zwei Mitarbeiter der prä-historisch- ethnografischen Abteilung des k. k. Naturhistorischen Hofmu-seums in Wien, gründeten 1894 den Vereinfür österreichische Volkskunde. ProminenteVertreterInnen des Hauses Habsburgsowie weitere Adelsfamilien, Bankiers undKünstlerInnen förderten den Verein unddas 1895 gegründete Museum für österrei-chische Volkskunde. Die Sammlung war alsMonument des Vielvölkerstaates angelegtund repräsentierte die Österreichisch- Un-garische Monarchie mit ihren Volksgrup-pen. Für einen ethnografischen Vergleichwurde die Sammlungstätigkeit auch aufandere europäische Regionen ausgedehnt. Die erste museale Aufstellungbefand sich im großen Saal der Alten Börse an der Wiener Ringstraße.1913 erfolgte die Entscheidung für den neuen Standort und 1917 konntedas Museum in das barocke Gartenpalais Schönborn einziehen. Das Endeder Donaumonarchie veränderte die inhaltliche Ausrichtung des Muse-ums. Die erste Dauerausstellung in der Laudongasse wurde 1920 eröffnet.
Mit der Etablierung des austrofaschistischen Ständestaates 1933/34orientierten sich die MuseumsakteurInnen an kulturpolitischen Vorgabeneiner spezifischen Österreich- Ideologie. Mit dem Anschluss Österreichsan das nationalsozialistische Deutsche Reich im Jahr 1938 wurde dieNS- Volkskunde, wie sie sich in Deutschland seit 1933 etabliert hatte,zur Hilfswissenschaft. Sie diente ideologischen und machtpolitischen
- 45-