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Gartenpalais Schönborn, Volkskundemuseum Wien
Entstehung
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Prunkräum e

Der detaillierte Reisebericht des Architekten Johann Jacob Küchelaus dem Jahr 1737 gibt uns heute Auskunft über die Anordnung derehemaligen Prunkräume im Gartenpalais Schönborn. Küchel unter-nahm diese fast viermonatige Reise im Auftrag des Fürstbischofs vonBamberg und Würzburg, Friedrich Karl Graf von Schönborn. Der Archi-tekt befand sich seit 1735 in dessen Dienstenund war mit dem Bamberger Bauwesenbetraut worden. Seine Studienreise führteihn von Bamberg über München nach Wien.Neben militärischen und sakralen Bautenwar vor allem die profane Architektur derSchlösser, Palais und Gärten von Interesse.

Die prachtvolle

Stuckdecke mitdem sogenanntenBandlwerk, warzu Beginn des18. Jahrhunderts

besonders in Mode

Dem Bericht Küchels über das Garten-palais Schönborn ist eine detaillierte Be-schreibung der Raumabfolge zu entnehmen.Die Prunkstiege, die heute noch vorhanden ist, führte vom Vestibülzu beiden Seiten in die Beletage. Oben angelangt, betrat man denzentral gelegenen Großen Saal. Daran reihten sich Richtung Westenzwei Vorzimmer, das Familienzimmer mit 16 Porträts und ein Kabinett.Vom zweiten Vorzimmer war es auch möglich in das grüne Audienz-zimmer und weiter in das Schreibzimmer neben der Gemäldegalerie,damals Holländische Galerie genannt, zu gelangen. Die prachtvolleStuckdecke mit den fein geschwungenen vergoldeten Bändern, demsogenannten Bandlwerk, war zu Beginn des 18. Jahrhunderts be-sonders in Mode. Graf Schönborn präsentierte seine Gemäldesamm-lung auf den mit edlen Stoffen bezogenen Wänden. Niederländischeund deutsche Meister, wie beispielsweise Brueghel und Dürer warensehr dicht in der sogenannten barocken Hängung angeordnet.

Neben der Gemäldegalerie lag die Bibliothek, die mit Bücher-regalen ausgekleidet war. In einer Bücherwand war ein prunkvoller,wandfester Schrank mit zwei Flügeltüren eingelassen. Darin befandsich der barocke Hausaltar. Waren die Flügeltüren verschlossen, diente

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