Barockgarten
Der Wiener Architekt Johann Lucas von Hildebrandt und der MainzerHofgärtner Johann Kaspar Dietmann begannen 1708 mit der Planungeines barocken Lustgartens nach französischen Gestaltungsprinzipien.Auf Regelmäßigkeit und Symmetrie wurde größter Wert gelegt. Die An-lage war in eine bestimmte Abfolge von Gartenbereichen gegliedert unddiente der Repräsentation, dem Lustwandeln und als Bühne für Feste.
In nächster Nähe des Palais lag das sogenannte Parterre mitzentralem Wasserbecken und Springbrunnen. Diese terrassenartigeFläche war prächtig dekoriert und für die Draufsicht aus der Beletage,dem schönen ersten Stock, geschaffen. Kunstvollgeschnittene Buchsbäume, Hecken, farbiger Kiesund niedrige Blühpflanzen bildeten Ornamenteund ahmten Stickereien nach. Gestalterischleiteten die Beete zur reich dekorierten Garten-fassade und in das mit Stuck verzierte Vestibül.
Die Anlage warin eine bestimmteAbfolge vonGartenbereichengegliedert unddiente der
Repräsentation, demLustwandeln undals Bühne für Feste
Hinter dem Parterre erstreckte sich das so-genannte Boskett, ein Wäldchen mit symmetrischangeordneten Hecken und niedrigen Bäumen. ZweiAlleen aus Lindenbäumen säumten als schatten-spendende Gänge diesen höher gelegenen Garten-bereich. Dazwischen bildeten Heckenwände ausEibenbüschen sogenannte Kabinette mit Sitzmöglichkeiten und dientenals Orte des Rückzugs oder der Begegnung. Graf Schönborn hegte eineVorliebe für das italienische Improvisationstheater. Im Zentrum desBosketts ließ er acht Steinskulpturen der Commedia dell'arte aufstellen.
Den Abschluss des pflegeintensiven Lustgartens bildete einelanggezogene Gartenwand mit Arkaden. Darüber war eine Balust-rade mit zahlreichen Skulpturen angebracht. Die Gartenwand ziertein der Mitte ein vorspringender Baukörper mit offenem Aufbau undgeschwungenem Giebel. Im Zentrum der offenen Nischen standzwischen Wasserfontänen die Skulptur eines Löwen, des Wappen-
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