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Burgenländische Beiträge zur Volkskunde : die Vorträge der 6. Österreichischen Volkskundetagung in Eisenstadt 1951
Entstehung
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In der mittleren Zone, dem Ober- Pullendorfer Bezirk, sind gleichfallskarolingische Siedlungsgebiete urkundlich sichergestellt, die versucht haben,das hochgelegene Grenzland zu besiedeln und heute noch in der unregel-mäßigen Blockflur wie in den unplanmäßigen Weilerformen an der nieder-österreichischen Grenze nächst Kirchschlag bis Draßmarkt und Bernsteinspurhaft erhalten geblieben sind. Als östlichst vorgeschobener Posten indiesem Gebiete, knapp vor Beginn der Ebene, kann Lutzmannsburg an-gesehen werden.

Die jüngere mittelalterliche Besiedlung steigt in die engeren Täler herabund es entstehen Graben- und Straßendörfer. Das planvolle Angerdorf ist indiesem Bezirke durch das Gelände nicht voll zur Ausbildung gekommen.Das stark hügelige Bergland läßt auch ungleiche Flurformen vorherrschen,man beobachtet jedoch immer, daß die Absicht besteht, das Gewann mit denregelmäßigen parallelen Ackerstreifen zur Ausbildung zu bringen.

Eine völlig anders geartete Siedlungsstruktur bietet der III. südlicheTeil, vor allem der Güssinger und Jennersdorfer Bezirk, ein Flachhügellandmit weiten Talzügen, die schon für den Oberwarter Bezirk charakteristischsind, hier Wiesen und Weidegrund an der Pinka, Lafnitz und Raab. Einschmaler Ackerfeldstreifen mit den Straßendörfern reicht bis zum Talsohlen-rand und dann steiler Anstieg auf die Hügelterrasse diluvialer Schotter-bänke, die parallel zum Tal gerichtet sind, ungleich breit verlaufen undWein- wie Waldgelände mit Kleinhausbesiedlung tragen, dazwischen großeWaldflächen mit Gutsbesitz.

Die Besiedlung ist in seiner heutigen einheitlichen Geschlossenheit nichtalt. Sie geht ins beginnende Spätmittelalter zurück und fand, vor allem aufden Anhöhen erst in der Neuzeit oft den endgültigen Ausbau. Finden sie inden Breittälern die gleichen Anger- und Streudorfformen, wie in der anschlie-Benden Oststeiermark und wird diese für das 12. Jahrhundert erwiesen,so sind die Bergsiedlungen aufgelöste Reihendörfer und Streusiedlungen,die wir als Kettendörfer bezeichnen. Jeder kleine Besitz liegt inmitten seinerihm zugehörigen Flur, die in breiten, ungleichen, waldhufenartigen Streifendas Gelände erschließen. Neben diesen verkümmerten" Waldhufen liegenHausackerfluren mit langen parallelen Streifen und kleine Einöden, dasganze unregelmäßig durchsprenkelt von Weingartenparzellen, Ackerfeldern,Obstgärten.

Eine Siedlungslandschaft ist nicht vollständig beschrieben, wenn dieStadt- und Marktorte fehlen.

Zahlreich sind die mittelalterlichen Formen der burgenländischen Städtenicht und es können nur vier wegen ihrer besonderen Charakteristik heraus-gehoben werden: Die Landeshauptstadt Eisenstadt, die Freistadt Rust, dieBurgstädte Schlaining und Güssing.

Die älteste Kernanlage von Eisenstadt ist um die heutige BischofskircheSt. Martin zu suchen, die um 1020 urkundlich erwähnt wird und die alsKirchensiedlung der Karolingerzeit zugehört. Die Wicksiedlung des 11. und12. Jahrhunderts ist die Kirchengasse mit der unregelmäßigen linsenförmi-gen Platzbildung vor dem Kircheneingang. Mit der Erbauung des Schlosses,einem 4- Turmtypus des 13. Jahrhunderts, erfolgte die großzügige Stadt-erweiterung entlang der heutigen Hauptstraße und des Hauptplatzes biszur Haydngasse und der teilweise erhaltenen Stadtmauer nächst dem Fran-ziskaner- Kloster. Die Form des Stadtplatzes entspricht dem längsgerichteten

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