Erwerbungen auch noch in dem 1910 erschienenen prächtigen Ta-felwerk ,, Volkskunst in Österreich" zugänglich. In einer kleinen Arbeitüber ,, Die Volkskunst in Istrien und Dalmatien" fasst er mit wenigenZeilen die Besonderheiten der istrianischen Volkskunst zusammen.Auch nach dem Zusammenbruch der Monarchie wurde im Museumin der Laudongasse dieses spezifische ethnographische Bild einertraditionellen, abseits der mondänen Badeorte existierenden KulturIstriens aufrecht erhalten. Erst bei der von Leopold Schmidt geplan-ten und durchgeführten Neuaufstellung der Sammlung musste die,, Istrianische Küche" weichen. Und mit ihr das Tschitschenpärchen,ebenso das Trachtenpaar aus Cherso und die Frauentracht aus Digna-no. Mit der Deponierung rückte jedoch auch Istrien aus dem Blickfeld.Mit der Gründung des Ethnographischen Museums Schloss Kittseeversuchte Adolf Mais dem ehemaligen Sammlungsschwerpunkt neu-erlich Rechnung zu tragen. Wenn auch die Sammlungstätigkeit in denehemaligen Ländern der Monarchie weitgehend eingestellt wurde, er-gaben sich durch die Ausstellungsmöglichkeiten im Schloss, Kontaktezu den ethnographischen Museen in den kommunistischen LändernSüdosteuropas. Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs konntendiese Bemühungen verstärkt und auf einer neuen Basis fortgesetztwerden. Auf diese Weise wurde es möglich, im Verlauf der vergangenJahrzehnte wichtige Ausstellungen nach Kittsee zu bekommen.Gleichzeitig richtete sich das Augenmerk aber auch auf die eigenenSammlungsbestände, die in der Folge einer Sichtung und Neubewer-tung unterzogen wurden und werden. Inzwischen wurde nämlich klar,dass die Dinge durch einen sehr selektiven( und oftmals zufälligen)Ausleseprozess ins Museum gelangt waren, um hier einen gänzlichneuen Stellenwert zu erhalten.
Nach den aus den Sammlungen des Österreichischen Museums fürVolkskunde erarbeiteten Ausstellungen über Bosnien- Herzegowina( 1993),„ Das Blatt im Meer- Zypern in österreichischen Sammlun-gen"( 1997), über„ Galzien. Ethnographische Erkundung bei denBojken und Huzulen in den Karpaten"( 1998), folgt nunmehr dieAusstellung über„ Istrien: Sichweisen". Die Idee zu dieser Ausstel-lung entstand bei einer Tagung über das„ Kronprinzenwerk" in Mar-tuljek im Zusammenwirken mit dem Ethnographischen Museum Istri-ens in Pazin, dem Österreichischen Museum für Volkskunde in Wienund dem ihm afflilierten Ethnographischen Museum Schloss Kittseesowie dem Institut für Europäische Ethnographie der UniversitätWien. Das Konzept für diese Ausstellung stellt das Ergebnis mehre-ren gegenseitigen Besuche und Erkundungsreisen in Istrien dar undberuht auf der fruchtbaren Zusammenabeit zwischen den genanntenInstitutionen.
Franz Grieshofer
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