Ostereier
Eine besondere Kunstfertigkeit entwickelten manche huzulischen Frauenbei der Verzierung der Ostereier. Sie gestalteten die Pysanki(=" dieBeschriebenen") mit einer komplizierten Batiktechnik, die hoheKonzentration und Phantasie erforderte. Dabei zeichnete die Eiermalerinmit einem Röhrchen, das mit Bienenwachs gefüllt war, Konturen auf dasEi. Danach tauchte sie es in die jeweilige Grundfarbe, meist in gelb. DerVorgang des Zeichnens oder Beschreibens mit Wachs und des an-schließenden Eintauchens in eine Farbe( rot, grün, schwarz) wurde mehr-mals wiederholt. Die einmal mit Wachs bedeckten Stellen blieben jedesmalvon der nachfolgenden Farbe frei und behielten die zuvor verwendeteFarbe. Zum Schluß legten die Malerinnen die Ostereier in den vorgeheiz-ten Backofen, wo die verschiedenen Wachsschichten schmolzen und dieVerzierung zum Vorschein kam. Die häufigsten Motive auf den Eiern warenrussische dreiarmige Kreuze mit feinen gelben Gittern gefüllt, gelb- grüneFlecken sowie geometrische und florale Ornamente. Die Ostereier, diemeist noch halbroh waren, wurden in der Kirche geweiht und verschenktund dienten als Schmuck in der Stube.43
ver-
Der ukrainische Schriftsteller Hnat Chotkewytsch beschrieb eindrucksvolleine Eiermalerin vor dem„ Osterfest am Czeremosz": ,, Rasch kam in die-sem Jahr der Frühling. Das Fest der Auferstehung nahte. DieOstervorbereitungen ließen Marussja ihre Unruhe etwas vergessen. Adnahatte ihr beigebracht, mit Wachs und Farben kunstvolle huzulischeOstereier zu malen, und Marussja versank vollends in dieserBeschäftigung. Zwölf Tassen und Schüsseln wurden sogleich mitschiedenen Farben verschmiert, alle Dienstmädchen liefen mit bekleck-sten Nasen herum, und Marussja selbst ähnelte eher einemUrwaldpapagei als der Frau eines ehrwürdigen Seelsorgers. Sie schluck-te soviel beißenden Qualm über der Glut, an der sie ihr Wachs erwärmte,daß ihr die Augen aus den Höhlen quollen und ihr schlecht wurde. Dochals sie sich eingeübt hatte, setzte sie mit ihren Ostereiern alle inErstaunen. ,, Wie schön die sind!" riefen die Dienstmädchen aus, und jedewollte ein gemaltes Ei haben. Mit Freude verschenkte Marussja die kunst-voll verzierten Eier und freute sich, daß auch sie etwas zustande gebrach-te hatte." 44
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