Genau diese Szene findet sich nämlich auch im Kronprinzenwerkwiedergegeben.26 Zygmunt Ajdukiewicz hatte sie in einer Ölskizzefestgehalten. 27 Dieses Beispiel zeigt uns, wie sehr solcheInszenierungen zur Ästhetisierung der Volkskultur beitrugen. Eine ähnlicheWirkung ging sicher von jenen Objekten aus, die im ethnographischenPavillon ausgestellt waren. Aus der Fülle des Gebotenen hebt AdelePfleger extra die 1700 bemalten Ostereier hervor. Weiters zeigt sie sichvon den typischen Erzeugnissen der Huzulen 28 und von den 32Trachtenfigurinen beeindruckt, an denen sie die charakteristischen undunterscheidenden Merkmale studiert. An weiteren Objektgruppen zähltsie die mannigfaltigen Textilien auf, Musikinstrumente, Pferdegeschirre,Fischereigeräte, Körbe und sonstige in der Wirtschaft gebräuchlicheGegenstände, sowie eine Reihe keramischer Produkte. IhreAufmerksamkeit erregten auch die Oster- und Hochzeitskuchen. Für siebildete jedenfalls der„ ethnographische Pavillon" den Glanzpunkt derganzen Ausstellung, wenngleich auch noch andere Pavillons, wie etwajener für weibliche Handarbeiten, Gelegenheit boten, Ethnographie zubetreiben. Eine Möglichkeit dazu lieferte auch„ eine ausgezeichneteBibliothek von Werken der volkskundlichen Literatur, zumeist in polnischerSprache" und„ mehrere Reihen von gelungenen Photographien", dieebenfalls im ethnographischen Pavillon zu studieren waren.
Einen Überblick über„ Die ethnographische Ausstellung“ bietet auch deroffizielle„ Führer durch Lemberg und die allgemeine Landes-Ausstellung", von dem ebenfalls ein Exemplar in der Bibliothek desÖsterreichischen Museums für Volkskunde in Wien erhalten ist.29 DieserFührer, der mit seinen statistischen Angaben und dem beigefügtenStadtplan nicht nur eine interessante Momentaufnahme von Lembergliefert, sondern an Hand des eingehefteten Ausstellungsplanes auchüber Größe und Umfang der Landesausstellung informiert, bildetgleichzeitig ein Dokument des engen Beziehungsgeflechtes zwischenden Proponenten der Ethnographie in Wien und Lemberg. Einehändisch eingetragene Signatur weist nämlich Josef Szombathy, Kustosder Prähistorischen Abteilung am Naturhistorischen Museum in Wien,als Vorbesitzer aus. Szombathy, wie Franz Heger Kollege der beidenMuseumsgründer Michael Haberlandt und Wilhelm Hein, hatte 1894eine Reise durch die Bukowina und Galizien gemacht und dabei offen-sichtlich auch die Landesausstellung in Lemberg besucht. Der bei dieserGelegenheit erstandene Katalog und eine Reihe seiner auf der Reisegemachten Fotos zählen zu den ersten Widmungen an das neue
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