Bericht in den Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft vorgelegt.15Einleitend weist er darauf hin, daß seit der Wiener Weltausstellungmehrfach auf verschiedenen Landesausstellungen Anstrengungenunternommen worden waren, dem volkstümlichen Element Ansehen zuverleihen. In diesem Zusammenhang hebt er die Landesausstellung desJahres 1885 in Budapest hervor, auf der im sogenannten Pavillon derHausindustrie aus allen Teilen der Länder der StephanskroneBauernstubeneinrichtungen zu sehen waren. Im Gegensatz zuDzieduszyckis Museum in Lemberg war es in Budapest aber zu keinerdauerhaften Aufstellung gekommen. In der Zeit zwischen 1877 und 1887hatte sich die Ethnographie als Wissenschaft und als Institution in Formvon eigenständigen Museen etablieren können. Heger nennt dasskandinavische Museum von Arthur Hazelius( 1833-1901) in Stockholmund das Rumjanzoff- Museum in Moskau," welch letzteres durch seinenumfassenden Grundgedanken, die Trachten aller in Russland lebendenVölker, sowie der ausser- russischen Slaven zur Anschauung zu bringen,schon stark an die Aufgaben unserer grossen modernen ethnographischenMuseen streift." 16
Um im Rahmen der Landesausstellung die Eigentümlichkeiten despolnischen und ruthenischen Stammes möglichst eingehend zurDarstellung zu bringen, war eine eigene ethnographische Kommissioneingesetzt worden, die aus dem Mitglied der Krakauer Akademie derWissenschaften, Oskar Kolberg, dem Direktor des technisch- industriel-len Museums, Dr. Adrian Baraniecki, und dem UniversitätsprofessorDr. Isidor Kopernicki zusammengesetzt war. Letzterer hatte auch einProgramm ausgearbeitet, das als Anleitung für die Aufsammlung derObjekte dienen sollte, um damit auf der Ausstellung eine Übersicht überdie Ethnographie Galiziens bieten zu können. Das im Anhang an HegersBericht abgedruckte" Programm der ethnographischen Ausstellung beider landwirthschaftlich- industriellen Landesausstellung in Krakau"kommt einer Vorwegnahme des volkskundlichen Kanons gleich. 17 Es seihier auszugsweise wiedergegeben, um zu zeigen, welch umfassendesKonzept für die Ethnographie es damals bereits gab.
" Der Zweck der ethnographischen Ausstellung ist, sowohl das treuesteals auch das vollständigste Bild über das Leben unseres Landvolkes inallen seinen Eigenarten, welche jedem Volke und jedem abgesondertenOrte eigen sind, zu geben. Um dieses Bild zu gewinnen, soll eineAuswahl Gegenstände, die auf das Leben des Volkes Bezug nehmen
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