vom neugegründeten" Vereine zur Ermunterung des Kunst- undGewerbefleißes". In den dreißiger und vierziger Jahren des19. Jahrhunderts begannen nämlich halbamtliche Gewerbe- undIndustrievereinigungen die Initiative im Ausstellungswesen zu über-nehmen.5 So wurde etwa der 1839 zur" Aufmunterung und Beförderungder gesamten Gewerbebetriebsamkeit" gegründete NiederösterreichischeGewerbeverein zum entscheidenden Befürworter der Wiener Welt-ausstellung. Im Vorfeld der Weltausstellung war es bekanntlich durchRudolf Eitelberger von Edelberg( 1817-1885) 1864 zur Gründung desMuseums für Kunst und Industrie, dem nachmaligen Museum fürangewandte Kunst gekommen. Nach dem Vorbild des South-Kensington- Museums, das im Gefolge der ersten Weltausstellung 1851in London errichtet worden war, förderte Eitelberger vom Museum ausdie Reform des Zeichenunterrichtes, die Errichtung von Kunstgewerbe-schulen, und schuf mit der Zusammenstellung einer Musterkollektionvon Kunstgegenständen vorwiegend des Mittelalters und derRenaissance die Voraussetzungen für die Erneuerung des heimischenKunstgewerbes. Auf der Suche nach einem nationalen Stil wandte ersich zusammen mit seinem Mitarbeiter Jacob von Falke( 1825-1897)auch der Hausindustrie zu. Darunter verstand man Erzeugnisse, die- imHaus hergestellt- vielfach nur dem eigenen Gebrauch dienten oder imHausierhandel abgesetzt wurden. Größere Aufmerksamkeit erlangtendiese Erzeugnisse durch die Präsentation in einer eigenen Abteilung aufder Wiener Weltausstellung im Jahr 1873, wofür Jakob von Falke einentsprechendes Programm ausgearbeitet hatte. Damit hatte man einMuster für künftige Ausstellungen geschaffen. Der Hausindustrie galthinfort ein verstärktes Interesse, weil man in diesem Kunstschaffeneinen Ausdruck des Volkswesens und nationaler Eigenständigkeiterkannte. Die Präsentation der Hausindustrie galt daher nicht nur alsLeistungsnachweis, sondern auch als Mittel zur Stärkung der nationalenIdentität. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daßEitelberger die Erzeugnisse des Hausfleißes und der Hausindustrie1876 erstmals unter dem Begriff" Volkskunst" zusammenfaẞte.⁹
Exemplarische Bedeutung erlangte auf der Weltausstellung in Wienauch das sogenannte ethnographische Dorf, über das Karl J. Schröer( 1825-1900) ausführlich berichtete. 10 Das aus verschiedenen Regionender Monarchie zusammengetragene Ensemble an Bauernhäusern fandnicht nur bei den folgenden Großausstellungen zahlreiche Nachahmung,sondern führte zur Gründung von speziellen Freilichtmuseen.11
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