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Probleme der Gegenwartsvolkskunde : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1983 in Mattersburg
(Burgenland)
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" PROBLEME DER GEGENWARTSVOLKSKUNDE"

Gedankensplitter zu einer vorläufigen Kongreßbilanz[ anläßlich der Einleitung der Abschlußdiskussion( 1)].

Von Martin Scharfe

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Im Programm war die Abschluß diskussion nicht vorgesehen. Teil-nehmer der Tagung haben sie aber als notwendig erachtet, verlangtund auch durchgesetzt. Das ist gut so. Woher dieses Bedürfnis,warum dieses Begehren, worüber soll diskutiert werden?Mir scheint, das Hauptdilemma liegt allemal noch in der Fachbe-zeichnung mit ihren vielfältigen Definitionsmöglichkeiten( und dasKompositum" Gegenwartsvolkskunde" macht die Sache nicht ein-facher im Gegenteil!). Nomina 1 definitionen mit ihrem Ideal-anspruch( vom Typus:" Volkskunde se i eine Wissenschaft, die...")haben uns nicht sehr viel weitergebracht; das zeigt etwa dasSchicksal der" Falkensteiner Formel"( 2) von 1970, die ja selbstschon ein Kompromiß war( 3) und die Leute geradezu ermunterte,ihre" Privatsysteme"( Ralf Dahrendorf) dahinter zu verstecken. UndRea 1 definitionen( Volkskunde ist das, was der Volkskundler oderdie Gesamtheit der Volkskundler tut) pflegen in einer unstruktu-rierten und beliebigen Auflistung von Themen zu versanden- solcheVersuche hat schon Riehl in seiner Rock- und- Kamisol- Formel adabsurdum zu führen versucht.( 4)

Beachtenswert ist daher immer noch, was Karl R. Popper, der

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