ANSTANDSBÜCHER ALS
VOLKSKUNDLICHE QUELLEN
Von Hans Trümpy
Vorbemerkung
Diese Referat nimmt nicht zu grundsätzlichen Fragen der Ge-genwartsvolkskunde Stellung, und es informiert auch nicht über ent-sprechende Forschungen in der Schweiz, sondern es plädiert für ver-mehrte Berücksichtigung einer nicht unergiebigen Gattung der Tri-vialliteratur.
In verschiedenen Basler Buchhandlungen stieß ich auf ein mildesLächeln, als ich in der Absicht, mich auf die Höhe der Gegenwartzu hissen, nach neuen Anstandsbüchern fragte, aber in jedem Ladenwar mindestens eine Sorte des gesuchten Artikels auf Lager, undso ließ sich die seminareigene kleine Sammlung älterer Kostprobenum einige Stücke wenigstens aus deutscher Produktion ergänzen.Sollten auch Sie, verehrte Anwesende, in Erwartung dieses Referatsein Lächeln aufgesetzt haben, so würde es mir nicht an Verständ-nis fehlen, denn der besondere Zweig der Trivialliteratur, mit demich mich hier beschäftigen darf, rechtfertigt es aus einigen Grün-den: Da sollen Erwachsene nachträglich lernen, was man ihnen inder Jugend nicht beigebracht hat; da muten die Verfasser denLesern nicht selten Verhaltensweisen zu, die uns drollig oder schi-kanös vorkommen, und da sind Belanglosigkeiten zuweilen zu Staats-
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