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Probleme der Gegenwartsvolkskunde : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1983 in Mattersburg
(Burgenland)
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ASPEKTE DER GEGENWARTSVOLKSKUNDE IN

SKANDINAVIEN

Von Reimund Kvideland

Wie im übrigen Europa lieferte auch in Skandinavien die nationaleIdee, das wachsende Nationalbewußtsein eine erste Legitimation derVolkskunde. Dieselbe Legitimation lag in gewissem Grade den ge-samten humanistischen Wissenschaften zugrunde.

Jetzt, da diese Phase endgültig vorüber ist, befinden sich, jedenfallsin Skandinavien, die humanistischen Wissenschaften in einem Zu-stand der Unsicherheit und suchen nach einer neuen Basis. Gleich-zeitig fordern nicht nur die Regierungen immer stärker eine nütz-liche und gesellschaftsrelevante Wissenschaft.

Ich glaube, eine neue Basis läßt sich in zwei Problemkreisen fin-den. Der eine zeigt sich in der wachsenden Internationalisierung,die scheinbar im Widerspruch zur nationalen Idee des vorigen Jahr-hunderts steht. Der zweite liegt in der enormen Entwicklung, diein immer schnellerem Tempo Produktion und Freizeit technifiziertund automatisiert.

Paradoxerweise haben die skandinavischen humanistischen Wissen-schaften diese Problemkreise nicht in Angriff genommen, um unsergesamtes Kulturverständnis und unsere kulturelle Situation von da-her zu beleuchten. Die Volkskunde beschäftigt sich allerdings schon

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