ZUR PROBLEMATIK DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN
GEGENWARTSVOLKSKUNDE
Von Vera Mayer
Erlauben Sie mir, meinen Beitrag mit Gedanken aus dem Buch" Zur Theorie der Gegenwartsvolkskunde" der Autoren Olga Skal-níková und Karel Fojtík zu beginnen. Diese weisen darauf hin, daß"... die Erforschung der Gegenwart immer zu den Aufgaben derVolkskunde gehörte, daß die Volkskunde mit ihrer grundlegendenArbeitsmethode der direkten und systematischen Beobachtung immereine Wissenschaft über die Gegenwart gewesen und am geeignetstenfür so ein Studium ist. Durch verschiedene philosphische Theoriender Interpretation des Charakters der Volkskultur hat sich aber dieVolkskunde immer mehr von der Gegenwart entfernt."( 1)Wenn man zurückblickt, begegnen wir dieser Ansicht schonEnde des 19. Jahrhunderts in der Zeit, als sich die tschechischeVolkskunde als Wissenschaft konstituierte. Eine wichtige Rolle spieltedamals in Prag eine Gruppe junger Wissenschaftler( wie J. Jakobec,J. Polívka, V. Tille, L. Niederle), die sich um T. G. Masarykund die Zeitschriften" Atheneum" und" Naše doba/ Unsere Zeit"formierte und bei der Herstellung der großen" Volkskundlichen Aus-stellung" im Jahr 1895 in Prag mitwirkte( 2). Sie verlangten z. B., daßin dieser Ausstellung auch eine Exposition der" Arbeitskultur" ein-bezogen werden sollte( 3). Diese Gruppe forderte schon damalseine objektive Erforschung der Realität der gegenwärtigen Lebens-
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