FAMILIENFORSCHUNG UND GEGENWARTSVOLKSKUNDE
Von Andreas C. Bimmer
Vorbemerkung
Familienforschung hat nach wie vor keinen dauerhaften Stamm-platz in der Europäischen Ethnologie/ Volkskunde erhalten, auch nichtdurch ein gewandeltes Fachverständnis. Dennoch steht der auf die-sem Gebiet Arbeitende nicht mehr so sehr unter Begründungszwangwie etwa vor nunmehr 15 Jahren, als Ingeborg Weber- Kellermannmit der Bemerkung," das Thema Familie ist kein Favorit volkskund-licher Forschung"( 1), ihre ersten Gedanken zu diesem Themen-kreis einleitete. Die Zeit seitdem hat erwiesen, daß kaum ein ande-res Gebiet, mit dem sich auch die Volkskunde befaßt, so sehr aufinterdisziplinäre Zusammenarbeit angewiesen ist wie dieses. Es kambegünstigend hinzu, daß das allgemeine Wissenschaftsklima in densiebziger Jahren durch Kooperationsbestrebungen vielfältigster Artgeprägt war, so daß Grenzen zwischen den Disziplinen zwar nichtfielen, aber als nicht so hinderlich angesehen wurden wie vorherund leider inzwischen auch wieder. Dieses konstruktive wissenschaft-liche Miteinander führte zu fruchtbaren Diskussionen und Rezep-tionen. Das sozialwissenschaftliche Verständnis von Familie warder Schlüssel der Zusammenarbeit. Dies trifft auf die historischenDisziplinen zu, die sich seitdem verstärkt mit dem Thema Familie,ihre Sozialgeschichte und ihre Lebensformen beschäftigten. Im Ge-
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