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Probleme der Gegenwartsvolkskunde : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1983 in Mattersburg
(Burgenland)
Entstehung
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ZEITUNGSSAGE- VOLKSSAGE

Von Oskar Moser

Bei diesem Thema drängt sich zuvörderst die Frage auf: Was be-deutet die Zeitung oder die Tagespresse überhaupt für die Volks-kunde? Geht man dem weiter nach, so stellt man bald und miteiniger Überraschung fest, daß es bisher dazu eigentlich nur wenigespärliche Stellungnahmen, kaum aber eine ausreichende Quellen-sammlung und noch weniger daher eine bündige oder gültige Ant-wort gibt. In Österreich jedenfalls ist der riesige Stoff bislang kaumangegangen, geschweige denn aufgearbeitet worden. Innerhalb desdeutschen Sprachraumes insgesamt hat es indessen in den frühenDreißigerjahren erste Anläufe und Versuche gegeben, die sichnach der damaligen Lage der Dinge zunächst mit bestimmten Stoff-themen innerhalb der regionalen Tagespresse befaßt haben. Zu-nächst freilich waren es eher literarische Kuriosa, die man ausgermanistischer, vergleichender Sicht in der Tagespresse aufgriff;etwa die Geschichte vom" abgehackten Finger als Abschieds- undHochzeitsgeschenk" des verschmähten Bräutigams, neben die manStellen aus dem" Frauendienst" Ulrichs von Lichtenstein setzte( 1).Aber schon 1933 spricht sowohl der Leipziger Germanist OttoGörner( 2) als auch Gustav Jungbauer( 3) in Prag vonsogenannten" Zeitungssagen", nachdem schon 1932 LeopoldSchmidt in seinem Aufsatz" Zu der Ballade' Die Mordeltern'"

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