lich bereichern können.
Während sich die heutigen Anstandsbücher an eine sehr breiteMittelschicht wenden, ergeben sich für die älteren schon äußer-lich erhebliche Unterschiede. Da gibt es auf der einen Seite dün-ne Hefte auf schlechtem Papier und auf der andern umfangreicheLeinen- oder gar Lederbände mit Goldschnitt. Wenn eine Datierungfehlt, was unbequemerweise sehr oft der Fall ist, stellt sich diezusätzliche Aufgabe, sie mit philologischen Methoden zu rekonstru-ieren. Das gilt auch für das in Stuttgart verlegte umfangreiche" Handbuch des guten Tons und der feinen Lebensart" mit demHaupttitel" Wie soll ich mich benehmen?" von einem oder einer J.von Wendell. Alles spricht dafür, daß die mir vorliegende" neuntegänzlich neubearbeitete Auflage"( 9), die ich erst neulich kennengelernt habe, kurz vor 1914 auf den Markt gekommen ist. Sierühmt sich im Vorwort," alle unnötigen fremdländischen Gebräu-che" ausgemerzt und" deutscher Gesinnung in gebührender WeiseRechnung getragen" zu haben. Welche Leserschicht das Buch an-sprechen wollte, ergibt sich u. a. deutlich genug aus der Stelle,die ich zitieren möchte, um mit einem letzten Beispiel nochmalszu zeigen, was solche Bücher hergeben können. Die Sätze wendensich an Verlobte, die ihren Hausrat erwerben; sie hätten glänzendals Motto über mehreren neueren Untersuchungen zum populärenWandschmuck gepaßt( 9: 7):" Daß Ihr Eure Zimmer nicht mit wert-losen Öldrucken ausschmücken sollt, brauche ich bei Euch Kunst-verständigen wohl gar nicht zu erwähnen. Der Wandschmuck, denwir in den Zimmern des Hauses finden, gestattet meist einen rich-tigen Schluß auf die Bildung der Bewohner. Hat man keine gutenKupferstiche oder Ölbilder, so wähle man Lichtbilder und Stein-drucke, wie sie heute preiswert zu haben sind. Wenige gute Stük-ke sei Euer Vorsatz."
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