Termin, als wichtiges Handlungsmuster akzeptiert. Bei anderenAusprägungen der Straßenkultur ist das schon so lange der Fall,daß sie hier nicht mehr eigens erwähnt werden mußten: Festum-zug, Gassenspiel, Straßenfest, Straßenfastnacht, Prozession- einigeStichworte genügen.
Wo hingegen das pleinairistische Interesse der Volkskunde ver-stärkt werden müßte: das sind neue Versuche, verloren gegangene( oder noch zu erringende) Volksgewalt- im Sinne der ursprüng-lichen Okkupation- auf außerparlamentarischem Wege und dasheißt: auf der Straße herbeizuführen, Straßen als Wohnung desKollektivs zu begreifen. Man verwechsle das nicht: Ich predige hierkein politisches Ziel; ich fordere lediglich dazu auf, politisch-kulturelle Ziele nicht aus der wissenschaftlichen Betrachtung aus-zuklammern.
Der zu beachtenden Formen sind viele: Demonstration, Trans-parent, Fahne, Sprayparole, Wandinschrift, go- in, sit- in, Straßen-theater, Hausbesetzung, Menschenkette, Menschenteppich, lebendeMauer, Bürgerinitiative, Straßenblockade, oder ganz einfach undallgemein: Störung der öffentlichen Ordnung.
Der Anlässe sind auch viele: Kernkraftwerke, Wasser- und Wald-und Bodenverschmutzung, Spitzelei, Berufsverbote, Abbau von Arbeits-plätzen, neue Startbahnen und Autobahnen, Makadamisierung derLandschaft, Hochrüstung, Raketenstationierung. Kürzlich erschienim Tübinger Schwäbischen Tagblatt folgende Annonce:" Ankündi-gung von zivilem Ungehorsam. Wer blockiert mit? Um zu zeigen,daß wir uns durch die Münsinger Prozesse" in ihnen werden dieTeilnehmer an einer Sitzblockade vor einem Atomraketenlager we-gen' Nötigung der Bundeswehr' verurteilt" nicht einschüchternlassen, werden wir am 9. Mai erneut bzw. zum ersten Mal dasAtomwaffenlager bei Großengstingen gewaltfrei blockieren."( 84)
-
-
35