ihm eine merkwürdige" Verwandlung mit der Straße vor sich" geht:" Ein Rausch kommt über den, der lange ohne Ziel durch Straßenmarschierte. Das Gehen gewinnt mit jedem Schritte wachsende Ge-walt; immer geringer werden die Verführungen der Bistros, derLäden, der lächelnden Frauen, immer unwiderstehlicher derMagnetismus der nächsten Straßenecke, eines fernen Platzes imNebel, des Rückens einer vor ihm schreitenden Frau. Dann kommtder Hunger. Er aber will nichts wissen von den hundert Möglich-keiten, ihn zu stillen; sondern wie ein Tier streicht er durch un-bekannte Viertel auf der Suche nach Nahrung, nach einer Frau,bis er in tiefster Erschöpfung auf seinem Zimmer, das ihn ent-fremdet, kalt zu sich einläßt, zusammensinkt. Diesen Typus erschufParis."( 32)
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Man muß hinzufügen: das Paris, das Haussmann hinter sich hat,die moderne, großstädtische Straßenplanung und-planierung unddas eben dadurch den Flaneur zeugt. Doch dem Straßen- Flaneurverwandt ist der Straßen- Voyeur. Zu denken ist dabei nicht nuran die Figuren, die auf ein Kissen gelehnt aus dem Fenster heraus-schauen; gedacht ist zunächst an im 19. Jahrhundert eigens ge-schaffene Orte, an denen man einen Unterhaltung gewährendenBlick auf die Straße hat, und an die Besucher solcher Orte. Nach-dem das in einem engen Talkessel gelegene, von Wein- und Wald-bergen umgebene Stuttgart eine neue Ausfallstraße nach Süden er-halten hatte, die gewundene Neue Weinsteige, entstanden über derStraße alsbald neue Biergärten. Von diesen Lokalitäten, liest manin einer Stadtgeschichte des 19. Jahrhunderts," hat man eineschöne Aussicht auf die Stadt und ihre Umgebungen, zunächst aberauf die stets belebte neue Chaussee nach Tübingen(...)."( 33)Das ist nun freilich eine Erfahrung, die uns heute fast ganz ab-geht: Verkehrsbeobachtung als Rekreation. Wie schreibt dochErnst Bloch über den Menschen" als ziemlich umfängliches Trieb-
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