Druckschrift 
Probleme der Gegenwartsvolkskunde : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1983 in Mattersburg
(Burgenland)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

ẞen kultur

im Begriff der ursprünglichen Aneignung Konstituen-

ten und Accessoirs von Produktion und Reproduktion.Christian Wagner, gestorben 1918, war ein schwäbischer Klein-bauer aus Warmbronn, einem Dorf nahe Stuttgart. Er kannte dasDorf wie die Stadt, ernährte sich zeitlebens aus der Handarbeitseiner Klein- Ökonomie und schrieb winters vor der Ölfunzel Ge-dichte. Er war besessen, nein: beseligt von der Idee der Unantast-barkeit und Wiederkehr alles Lebendigen, in welcher Form auchimmer:" Kannst Du wissen ob von Deinem Hauche/ Nicht Atomesind am Rosenstrauche?..."( 25); aber es ist nicht nur Auswuche-rung der Ideen eines Spintisierers, sondern Fassung von Wahrheit,wenn Wagner in einem kurzen Gedicht über den Tod eines KindesStraße, Pfützen, Schmutz, elterlichen Tadel, Spiel, Schmetterlings-existenz und-ästhetik gestaltet zu einem Ausdruck humaner Krea-türlichkeit oder kreatürlicher Humanität( die Reihenfolge ist mitBedacht gewählt):

" Auf der Straße

-

Nimmer beschmutzest du mehr dein Kleidlein, Anna, wie ehemals,Da es Verweise dir trug. Doch heut noch liebst Du gefüllteWassergeleise zum Spiel: Als schneeweiß schimmernder FalterSitzest und flügelst du jetzt, wo fröhlich gespielt du als Kindeinst."( 26)

-

Spiel: Wagner denkt wohl zunächst an Warmbronn. Doch selbst vieleStraßen der nahe Haupt- und Residenzstadt sind dem Spiel nichtabhold:" In meinen Jugendjahren" so ein Bericht aus Stuttgart" hatten's die Kinder noch gut, da gehörte ihnen nicht nur daselterliche Haus, sondern auch die Straße, in der dasselbe sich be-fand. Natürlich war dies im Frühjahr und Sommer von großem Wert,war dies doch der allgemeine Tummelplatz.(...) Also", so heißt eswörtlich," war über die Straße zu verfügen( 27),

21