Diskussionsbeiträge aus
Architekten:
der
Sicht
der
Von Johannes Daum:
Zunächst möchte ich Herrn Prof. Ilg für die Einladung zur dies-jährigen Tagung danken, die durch die angestrebte nähere Zusam-menarbeit mit den Architekten von großer Aktualität ist.
Es ist von der Volkskunde und der Hausforschung gesprochen wor-den und ob dabei überhaupt eine gemeinsame Arbeit mit entwer-fenden Architekten möglich ist. Grundsätzlich möchte ich dazusagen, daß sicherlich die primäre Aufgabe der Volkskunde, wie inanderen Gebieten der Kunstwissenschaft, zunächst die Feststellungdes Bestandes, deren Dokumentation sowie die Untersuchung derEntwicklung typischer Formen und Zusammenhänge ist. Aber auchdie Pflege und die Erhaltung des unverfälschten Bestandes, insbe-sondere in Zeiten der Gefährdung, ist von großer Wichtigkeit,wodurch sich durch Beratung, Aufmerksam machen und Warnen dieNotwendigkeit eines Gespräches mit den Mitgestaltern unsererUmwelt ergibt. Für den Architekten wiederum ist die fachlicheMeinung des Volkskundlers von Interesse, da sich daraus Klarstel-lungen bezüglich echter Werte im Rahmen des Umfeldes ergeben,in dem der Architekt zu planen und zu gestalten hat. Das vonArchitekt Gnaiger ausgesprochene Verlangen nach Unterstützungdurch die Volkskunde im Kampf gegen den Gebrauch von Klischeesals bloße Verkleidung bei so vielen Bauten besonders im ländlichenRaum, sowie gegen die Verständnislosigkeit bei vielen Vertreternder Baubehörden und Gemeinden in Fragen verantwortungsvollerBaugestaltung weist genau in diese Richtung und erscheint mirwohl gerechtfertigt. Die für den Architekten bestehende Verpflich-tung, in Funktion, Form, Material und Konstruktion den Forderun-gen der Zeit zu entsprechen, macht es ganz klar, daß aktuelleLebensvorgänge nicht in unzeitgemäße und nicht entsprechendeHüllen gesteckt werden sollen, wie es leider häufig z.B. bei Bank-oder Sparkassenfilialen in Dörfern vorkommt, die die Form einesBauernhofes erhalten, obwohl beide doch nichts miteinandergemein haben. Aber nicht nur die Form, auch die Materialwahlbringt immer wieder Probleme mit sich, wobei sich die Verwendungbestimmter industrieller Produkte in Verbindung mit überliefertenMaterialien und Konstruktionen nicht verträgt. Im ländlichen unddörflichen Bereich sind es einfache, klar erkennbare Konstruktionen,darin liegt ihr Reiz und in diesem Sinne müßten auch neue Dingegestaltet werden, sollen sie sich wie selbstverständlich einfügen.Und über einfache sinnvolle Konstruktionen kann die Volkskunde
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