Druckschrift 
Gegenwärtige Probleme der Hausforschung in Österreich : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1980 in Feldkirch
(Vorarlberg)
Entstehung
Seite
221
Einzelbild herunterladen
 

Diskussionsbeiträge aus

Volkskunde:

der

Sicht

der

Von Olaf Bockhorn:

Marginalien

z u Aufgaben und

der

Hausforschung

Problemen

Der Titel der 1980 vom Österreichischen Fachverband für Volks-kunde in Feldkirch ausgerichteten Tagung lautete:" GegenwärtigeProbleme der Hausforschung in Österreich". Sie hätte auch" Auf-gaben der österreichischen Hausforschung" heißen können, denn inden meisten Referaten wurden" Problem" und" Aufgabe" alsSynonyme betrachtet. Dies kann, muß aber nicht so sein. Dochsoll hier nicht auf diesen möglichen Widerspruch eingegangen,sondern in vier ergänzenden Bemerkungen aufgezeigt werden, daßAufgaben für eine Wissenschaft gleichzeitig sehr wohl Indizien fürihre Probleme( etwa im Hinblick auf die historische Entwicklungoder gegenwärtige Position) sein können.

1. In der zum Abschluß der Tagung einstimmig verabschiedetenResolution wurde die Einbeziehung der Untersuchung von Arbeiter-quartieren, Bergmannshäusern, Keuschen etc. in die volkskundlicheHausforschung nicht nur gefordert, sondern geradezu als selbstver-ständlich hingestellt. So erfreulich diese Tatsache ist, umso mehrdrängt sich die Frage auf, warum diesbezüglich in den letztenfünfunddreißig Jahren doch recht wenig getan wurde wenig zu-mindest in Relation zur bäuerlichen Hausforschung. Den Hinweisauf die schon aus personellen Gründen geringe Forschungskapazitätkann man da nicht als Argument gelten lassen; sie- die For-schungskapazität hätte sich ja auch diesen bislang doch eher ver-nachlässigten Themen zuwenden können, anstatt die historische undtechnische Bauernhausforschung zu perfektionieren. Schließlich sindheutzutage nur noch etwa zehn Prozent der österreichischen Be-völkerung dem landwirtschaftlichen Bereich zuzuordnen. Das, wasdie gegenwärtige Hausforschung vielfach leistet, ist daher nichtunbedingt repräsentativ: wo, so fragt man sich, bleiben Großstadtund Arbeiter, Bassenawohnungen und Ringstraßenpaläste? Aufgabeist es zweifellos, auch diese hier nur als Beispiele aufgezähltenPunkte zu erforschen; das Problem hingegen ist in diesen Fällenaber nicht, daß wenig, sondern warum wenig untersucht wurde.

221