Druckschrift 
2: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 2.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
Seite
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heilt er zu starke Menstruation. Zimttinktur genießen dieFrauen nach jeder Periode, um unfruchtbar zu bleiben( Steiermark). Übrigens diente der Zimt den Orientalen Glossar ::: zum Glossareintrag  Orientalenwegen seines kostbaren Duftes zu erotischen Vergleichen:der Leib der Geliebten ist ein Paradies, das Granatäpfel,Zimt und allerlei Bäume des Weihrauchs hervorbringt( Hohelied IV. 14).

Zwiebel( Bulbus). s. Absch. IV.

Antaphrodisiaca.Einleitung.

Die hier besprochenen Pflanzen hemmten die Ge-schlechtslust, sie dienten in erster Hinsicht der religi-ösen Keuschheit, d. h. sie sind Kultpflanzen, die denGottheiten oder Gott zu Ehren die Keuscheit oder Ent-haltsamkeit Männern und Frauen bewahren oder befördernhelfen. Ob nun von unseren heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Vorfahren solcheKeuschheitsmittel im Kulte angewendet wurden, ist zweifel-haft. Von den Frauen der Griechen wurden bei den Festen derHera und der Demeter Antaphrodisiaca genossen. Sicherlichkamen durch Einführung des Christentums und seinerKlöster, deren Insassen strenge Keuschheit gelobt hatten,jene Keuschheitspflanzen auch bei uns in Aufnahme. Inden Klostergärten fanden sie Schutz und Kultur; so wurdenDill, Lattich, Gartenraute, Keuschlamm usw. angebaut undgezogen.

Da nach der teilweise richtigen Volksvorstellung ge-schlechtliche Erregung die Konception befördert, geschlecht-liche Kälte dagegen sie hindert, benutzte man die Keusch-heitspflanzen als Unfruchtbarkeits-, und, wenn es sein konnte,auch als Abtreibemittel.

Baldrian( Valeriana officinalis). s. Absch. VI.Dill( Anethum graveolens). s. Absch. IV.