Druckschrift 
2: Volkserotik und Pflanzenwelt : eine Darstellung alter wie moderner, erotischer und sexueller Gebräuche, Vergleiche, Benennungen, Sprichwörter, Redewendungen, Rätsel, Volkslieder, erotischen Zaubers und Aberglaubens, sexueller Heilkunde, die sich auf Pflanzen beziehen. 2.
Entstehung
Halle a. S. [ca. 1908]
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VI.

Kräuter und Blumen.

Einleitung.

Die große Mehrzahl der unten besprochenen Kräuterund Blumen gehört schon zur Germanenzeit zum ein-heimischen Bestand unserer Flora. So dienten z. B. dieHeidel-, Preissel- und Erdbeeren unseren heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischen Vor-fahren als sehr gesuchte Nahrung. Freilich ist nicht zuvergessen, daß speziell eine große Anzahl Garten- undAckerunkräuter bei zunehmender Acker- und Gartenwirt-schaft sich einnistete. So sollen zur Germanenzeit etwa15 Arten Ackerunkräuter vorhanden gewesen sein, imMittelalter bereits 60, in der Neuzeit sind es 170 Arten( Wimmer 228). Ferner sind durch den stetig wachsendenVerkehr mit dem näheren und ferneren Auslande fremdePflanzen in großer Fülle eingeführt worden. Über einigeBlumen und Kräuter sind uns alte mythologische Namenund Gebräuche überliefert. Hier erblicken wir die ältestendeutlichen Spuren deutscher Volkserotik. So bei der Orche,beim Johanniskraut oder bei dem Beifuß: Kräuter, die inalten Zeiten in den heiligen Waldkultstätten gehegt undgepflückt wurden. Der Eisenhut war dem Donar heilig,das Bettstroh der Freya! Über einige andere Kräuterund Blumen finden wir bei gelehrten Klosterleuten ein paarspärliche Aufzeichnungen. Die geheimnisvollen Wirkungender Farrenkräuter, die medizinischen Heilkräfte der Salbeiund der Brennessel, das Gift des Schirlings, des Bilsen-krautes, die erotische Zauberkraft der Arnica kennt schondie heilige Hildegard( 1098-1179). Der RegensburgerDomherr Conrad von Megenberg( 1304-1374) berichtet überdie Wirkungen des Beifuß, der Kamille, des Johanniskrautes.Freilich ignorieren diese gelehrten Autoren so viel wie

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