Druckschrift 
Das Tatauieren : eine monographische Darstellung vom psychologischen, ethnologischen, medizinischen, gerichtlich-medizinischen, biologischen, histologischen und therapeutischen Standpunkt aus
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

V. Histologie der Tatauierungen.

51

in den oberen Lagen der Cutis als auch in den tieferen Schichtenan den Cutisfasern und an den Gefäßwandungen vorfinden, dieEpidermis selbst aber und die Ausführungsgänge der Schweiß-drüsen freilassen, finden wir bei Tatauierungen mit Zinnoberdie Partikelchen desselben auch in der Epidermis und auchan den glatten Muskelfasern vor." Ich selbst konnte an altenZinnobertatauierungen in der Epidermis nie Farbstoff nach-weisen. Schon makroskopisch ist auf dem Hautschnitt das helleHäutchen sichtbar, und der mikroskopische Schnitt zeigt deutlicheine freie Epidermis( Abb. 38 und 39). Über die histologischenVerhältnisse der Tatauierungen am Auge vergleiche Kapitel VIII.

Es ist die Frage aufgeworfen worden, warum die doch mitschwarzer Tusche ausgeführten Zeichnungen blau erscheinen.Ohmann- Dumesnil sucht die Erklärung in dem durch dieEpidermis durchschimmernden Licht, das den Kohleteilcheneinen bläulichen Ton geben soll, also in der Transparenz, undBailliot hat diese Meinung übernommen. Eine ähnliche Er-scheinung sehen wir übrigens bei Männern mit weißer Hautund dichtem schwarzem Barthaar. In rasiertem Zustande schei-nen die Haare in bläulichem Schimmer durch.

Farbstoffe können auch vom Magen aus oder durch sub-kutane Einspritzung in den Körper und bis in die Haut ge-langen, wie es z. B. mit den Silbersalzen bei der Argyrie derFall ist. Neumann hat aber darauf hingewiesen, daß in diesemFalle die Farbteilchen sich an den Wandungen der Blutgefäße,der Schweiß- und Talgdrüsen anhäufen, die Epidermis intaktbleibt. Bei Tatauierungen finden sich zum Unterschied davondie Farbteilchen auch an und zwischen den Cutisfasern.

Ergebnis.

1. Bei Zinnobertatauierungen lagert der Farbstoff nachanderen Autoren in allen Schichten der Haut, auch inder Epidermis. Ich fand jedoch die Epidermis frei davon.2. Bei Tuschetatauierungen enthält die Epidermis keinenFarbstoff. Er liegt dagegen in großen Massen in dentieferen Schichten der Haut und zum Teil im Unter-hautzellgewebe.

3. Durch den Lymphstrom werden Farbteilchen verschlepptund in den umliegenden Lymphdrüsen angehäuft. Bisin die inneren Organe gelangt der Farbstoff aber nie.

WIEN