150ÖZV, LXXIX/128, 2025, Heft 1Andeutungen auf spätere Ausführungen bringt er es fertig, die Lesen -den durchgehend bei der Stange zu halten. Für ihn spricht auch, dasser Informationen ohne Umschweife und Schwadronaden auf denPunkt bringt. Einziger Wermutstropfen sind die fehlenden Fußnoten.maria raidFelix Gaillinger und Anna Klaß(Hg.): Ethnografisch Forschenmit Klasse. Diskussionsbeiträge zur Produktion und Erfahrungeiner vernachlässigten Strukturkategorie(= KulturanthropologieNotizen, 86). Frankfurt am Main 2024, 101 Seiten; ISSN(Online):2748-4912, www.ka-notizen.de, DOI: 10.21248/ka-notizen.86Vor 30 Jahren beobachtete Wolfgang Kaschuba einVerschwinden desSozialen im gesellschaftlichen Diskurs. Öffentliche Debatten würdenallzu oft kulturell gedeutet, strukturelle Bedingungen von sozialerUngleichheit damit weitaus ausgeblendet. Auch heute interpretierenmanche politische Kommentator:innen die jüngsten Wahlerfolge vonRechtspopulist:innen als Folge einer vermeintlichen kulturellen Spal -tung, die kapitalistische Ausbeutungssysteme und Klassenkämpfe inden Hintergrund drängt. Hat sich also nichts getan in den letzten30 Jahren? Im kulturwissenschaftlichen Diskurs kamen insbesondereseit der Finanzkrise 2007/2008 und der Occupy-Bewegung Fragenvon Klassenverhältnissen und sozialer Ungleichheit wieder mehrBedeutung zu. Diesen Ball aufgreifend, widmen sich Felix Gaillin -ger und Anna Klaß in dem von ihnen herausgegebenen Special IssueEthnografisch Forschen mit Klasse. Diskussionsbeiträge zur Produktionund Erfahrung einer vernachlässigten Strukturkategorienun explizit dersozialen Dimension empirisch-kulturwissenschaftlichen Arbeitens.Erschienen ist das Special Issue als 86. Ausgabe derKulturanthropo-logie Notizendes Instituts für Kulturanthropologie und EuropäischeEthnologie der Universität Frankfurt am Main, die nunmehr aus -schließlich digital erscheint und Open Access frei zugänglich ist.Gaillinger und Klaß gehen von der Annahme aus, dass Klassesowohl als Strukturkategorie als auch in ihrer Erfahrungsdimension