Berichte und Besprechungen139Bernhard Tschofen: Alpenland Vorarlberg. Erkundungen zuGeschichte und Kultur. Innsbruck: Universitätsverlag Wagner 2024,164 Seiten, zahlreiche Abbildungen.Erkundungen erfreuen sich in der kulturwissenschaftlichen Publika -tionslandschaft gegenwärtig einer offensichtlichen Beliebtheit. In derTat öffnen sie, meist im Untertitel angeführt, einen weiten, alltags-kulturell interessierten Blick auf ihre Gegenstände und machen esmöglich, deren komplexe Gewordenheiten und sich dynamisch verän -dernden Aktualisierungen empirisch zu verfolgen. Vielleicht mehr alsimplizit klingen darin auch jene Modi nach, die sich im alten Fachna -men„Volkskunde“ mit dem mehrdeutigen Determinatum„Kunde“ inder Vergangenheit als wissenschaftlich durchaus produktiv erwiesenhaben.Auch der hier vorzustellende schmale, dabei aber überausinhaltsreiche Band wählt den entsprechenden Zugriff, um Themenaus dem westlichsten österreichischen Bundesland mit kulturanaly -tischem Interesse zu befragen. Indem der als Professor für PopuläreKulturen an der Universität Zürich wirkende Autor vermeintlichSelbstverständliches wie Käse, Tracht und Berg daraufhin abklopft,wie diese„Phänomene der Alltags- und Populärkultur des Landes‚kommen‘, wie sie ‚gedacht‘ und ‚gelebt‘ werden und wie dabei aufhistorische Wissensbestände und Bilder zurückgegriffen wird“(S. 7),konfrontiert er die Leser:innen mit an der Gegenwart ausgerichte -ten Mikroausschnitten, in denen sich stets„größere“ gesellschaftlicheThemen zeigen und nun – ungeachtet des Buchtitels – in exemplari -scher Absicht immer weit über Vorarlberg hinausweisen.So entpuppen sich die für ein ebenso breites wie wohl durch-aus auch in regionalem Zuschnitt gedachtes Publikum geschriebenenTexte allesamt als tiefgreifende Reflexionen. Der gebürtige Vorarl -berger Bernhard Tschofen vereint acht seiner bereits erschienenenBeiträge in dieser neuen Zusammenstellung, die einen deutlichenMehrwert bringt, gerade weil sich die Beiträge neu angeordnet nungewissermaßen synchron lesen lassen. Ursprünglich in den Jahrenzwischen 2014 und 2022 an verstreuten Publikationsorten erschienen,gehen die Texte alle auf Anfragen zurück, die in unterschiedlichenZusammenhängen an den Autor ergingen. Dabei ist es nicht zuletzt