Birgit Palasser, Gerüche im Stiegenhaus61Die Forschungsmethode, mit Sprachmemos zu arbeiten, auf -genommen und übermittelt über WhatsApp, zeigt sich als produktiv.Die Teilnehmenden werden gebeten, beim Betreten oder Verlassendes Stiegenhauses den jeweiligen Wochentag und die Uhrzeit fest -zuhalten, den Grund für den Aufenthalt im Stiegenhaus zu nennen,die wahrgenommenen Gerüche im gesamten Abschnitt des Stiegen-hauses zu beschreiben, Geruchsquellen anzugeben, was mit demGeruch verbunden wird bzw. woran sie der Geruch erinnert. Ergän -zend soll berichtet werden, welche Emotionen und Imaginationendurch die Wahrnehmung entstehen und welche Rückschlüsse aufNachbar:innen durch die Geruchswahrnehmung gezogen werden.Die Teilnehmenden können die Gerüche im Moment der Wahrneh -mung sprachlich beschreibend durch die Aufnahme sofort festhalten– dies zeigt sich in Bezug auf Unmittelbarkeit als Vorteil. Durch dieVersprachlichung von Geruchswahrnehmungen werden neben derBeschreibung auch Informationen zu Umweltgeräuschen transpor -tiert und die Tonalität sowie die gesetzten Pausen der Sprechendenwerden zu wertvollem zusätzlichem Material, das in die Analysearbeitmiteinfließt. Insbesondere zum Ausdruck gebrachte Emotionen las -sen sich dadurch sehr gut erkennen.Die Teilnehmenden übermittelten die Sprachmemos in denmeisten Fällen unmittelbar nach der Aufnahme, dies ereignete sichdurchaus mehrmals am Tag. Der Zeitraum der festgehaltenen olfak -torischen Wahrnehmungen erstreckte sich über fünf bis sieben Tage.Die Länge der Sprachmemos war unterschiedlich und mehr oderweniger detailreich. Es zeigte sich im Laufe der Forschung, dass sichdie Beschreibungen einerseits auf bereits wahrgenommene Gerüchebezogen und andererseits neue Gerüche die Eindrücke ergänzten.Durchaus wurde auch rückgemeldet, dass keine außergewöhnlichenWahrnehmungen gemacht wurden, oder auch, dass seltsame, noch nievorher wahrgenommene Gerüche plötzlich im Raum waren.Bezugnehmend auf die Raumtriade von Lefebvre habe ich dietranskribierten Geruchswahrnehmungen und Informationen aus denGesprächen nach der Repräsentation des Raumes, also des gebautenRaumes, wie beispielsweise Gerüche nach dem Baumaterial, und derEbene der räumlichen Praxis, wie beispielsweise das Aufwaschen desBodens, zugeordnet. Die Kategorien lautenangenehme/unangenehmeGerüche,Gerüche der Bausubstanz/Baumaterial,Geruchswahrnehmungen
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde128 (2025) / N.S. 791 (2025)Palasser, Birgit: Gerüche im Stiegenhaus
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde128 (2025) / N.S. 791 (2025)Palasser, Birgit: Gerüche im Stiegenhaus
Aufsatz in einer Zeitschrift
Gerüche im Stiegenhaus : eine kulturwissenschaftliche Spurensuche
Seite
64
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