60ÖZV, LXXIX/128, 2025, Heft 1Das Stiegenhaus als Forschungsfeldund die ForschungsmethodeDas Stiegenhaus eines Mehrparteienhauses ist architektonisch ein -gebettet zwischen dem Draußen – in dieser Forschungsarbeit demStadtraum bzw. dem öffentlichen Raum – und den jeweiligen Woh -nungen, dem privaten Raum. Die Tür trennt Innen- und Außenraumund im Zusammenhang mit dem Stiegenhaus trennt sie Öffentlichkeitund Privatheit. Erst durch Öffnungen wie Türen und Fenster wirdes möglich, Gerüche, die durch entstehende Luftströmungen verteiltwerden, in einem Stiegenhaus wahrzunehmen.Um die Fragen nach Wahrnehmungen, Verbalisierung sowieImaginationen, Assoziationen und Erinnerungen in Stiegenhäusernvon Wiener Mehrparteienhäusern beantworten zu können, wurdenim ersten Schritt Forschungsteilnehmende, die direkt von mir überdiverse Kanäle angesprochen wurden, gewonnen. Ziel war es, Teil -nehmende aus unterschiedlichen Mehrparteienhäusern zu gewin -nen. Insgesamt nahmen elf Personen teil. Sie sind Bewohnende vonneu sanierten Häusern aus der Jahrhundertwende(4), von Häusernaus den 1950er- bis 1970er-Jahren(4), aus dem Wiener Sozial- undGemeindebau(1), dem Wohnpark Alterlaa(1) und einem frischbezo -genen Neubau(1). Die Häuser stehen in den Wiener Gemeindebe -zirken 3, 5, 9, 10, 12, 16 und 19. Acht der Teilnehmenden sind weib Glossar ::: zum Glossareintrag weib -lich, drei männlich gelesen, altersmäßig zwischen 26 bis 65 Jahren. Eshandelt sich um Studierende, Angestellte, Selbstständige und sich imRuhestand befindliche Personen. Alle Teilnehmenden, bis auf jeneim Neubau, sind bereits langjährig in den jeweiligen Häusern wohn -haft und kennen zum Großteil ihre Nachbar:innenschaft bzw. wissendarüber Bescheid, wie die Altersstruktur und das soziale Milieu imeigenen Wohnhaus sind. Sie beschreiben, dass es wenig Fluktuationbei den Nachbar:innen gibt, die Mitbewohner:innen mehrheitlich ausÖsterreich stammen, die meisten berufstätig oder bereits im Pen -sionsalter sind und insgesamt wenig Kinder in der jeweiligen Nach -bar:innenschaft leben. Dieses Wissen wird durch Eigentümer:innen -versammlungen, aus nachbarschaftlicher Hilfe und Begegnungen imStiegenhaus generiert. Es gibt selten freundschaftliche Verhältnissezu den Nachbar:innen.
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde128 (2025) / N.S. 791 (2025)Palasser, Birgit: Gerüche im Stiegenhaus
Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde128 (2025) / N.S. 791 (2025)Palasser, Birgit: Gerüche im Stiegenhaus
Aufsatz in einer Zeitschrift
Gerüche im Stiegenhaus : eine kulturwissenschaftliche Spurensuche
Seite
63
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