59• 4/2024 SCHAUFENSTER7Klimaaktivist:innen arbeiteten für sechsWochen in Workshops, Veranstaltungenund anderen Formen des Aufenthalts – einBeispiel für aktivistische Selbstverwaltungim Museum. Nachdem Aktivist:innen dieMöglichkeit errungen hatten, im Museumübernachten zu können, wurde die Verant-wortung für das Museum durch selbstaufer-legte Regeln manifestiert.In die Open Galleries zogen die WienerFestwochen / Freie Republik Wien mit ihrenBüros ein, ebenso wie eine Werkstatt derKlasse für Bühnengestaltung der Akademieder bildenden Künste. Sechs Wochen, indenen das Museum zum Haus der Republikwurde. Neben den Hearings zur Verfassungder Republik fand ein vielfältiges Veranstal-tungsprogramm statt. Das Museum wurdein dieser Zeit von unterschiedlichen Nut-zer:innen verwaltet. Das ständige Kommenund Gehen erzeugte eine mehr als lebendigeAtmosphäre, für das Programm wurde jederWinkel des Hauses genutzt, Veranstaltungenfanden untereinander und nebeneinanderstatt.Diese Nutzungen waren drei von insge-samt 19 Programmpunkten, die von Jännerbis September 2024 im„wunderlichen Hausin der Laudongasse“(Leopold Schmidt)stattfanden. Sie reichten vom Musikfes-tival über einen Salon, Performances undperformative Installationen, Clubs undAusstellungen.Der ehemalige Luftschutzbunker imSchönbornpark war lange Zeit das Depotfür die Holz-Objekte der Museumssamm-lungen. Inzwischen träumen wir davon,dass er zu einem Veranstaltungsort für dasMuseum und den ganzen achten Bezirkwird: vom K inderspielplatz im Winter bis zurClublocation, deren Sound unter fast zweiMetern Stahlbeton niemanden stört. Eineerste Öffnung in diese Richtung machtentoxic dreams mit dem Stück Warten aufdie Barbaren. In den 44 Kojen des Bunkersinstallierten sie ein Trainingscamp für denkommenden Faschismus. Die immersiveArbeit ließ in ihrer Intensität niemanden kaltund gab viel zu denken, enthielt sie docheine dringliche Warnung vor kommendenAbgründen. Nicht minder politisch diskutier-ten wir im poetisch und deliberativ ange-legten, eigens dafür entworfenen ImmobilitySalon mit Alix Eynaudi und Gästen.Mit dieser Erweiterung der Möglichkeitendes Hostings hat sich das Museum eine neueSprache der Formate angeeignet, um sich inden Diskursen der Gegenwart zu artikulieren.Herbert JustnikProgrammleitungDas MEZEK R-Festival hat das gesamte Haus für dreiTage im September 2024 übernommen. Es hat immersiveRäume geschaffen, die das Museum transformieren undneu erfinden. Foto: Kollektiv Fischka / Kramar