34 INTERVIEW
bescheiden, wie es den damaligen Gepflo-genheiten in den meisten kulturhistorischenMuseen entsprach.
Was unterschied die alte von der 1994erneuerten Schausammlung?
Franz Grieshofer: Bei der alten Schausamm-lungen orientierte man sich an regionalenKonzepten und verfuhr nach dem Stuben-prinzip, das Haberlandt schon angewandthat. Die Tiroler, die Vorarlberger, dieSteirische Stube und so weiter. Nach demZweiten Weltkrieg hat man einige Stuben( Böhmen, Mähren) abgebaut und nachKittsee gebracht. Hier in Wien hat man sichauf Österreich konzentriert.
Margot Schindler: Das waren die früherenPrinzipien: landschaftlich- regionale Kon-zepte oder Orientierung nach Sachgruppen( Möbel, Schmuck, Instrumente, Textilien,Keramik, Glas, Masken, etc.). Dieser Zugangwurde mit der neuen Schausammlung auf-gelöst.
An welchen Schwerpunkten und Themenhabt ihr euch bei der Neugestaltungorientiert?
Margot Schindler: Es ging uns darum, weitergefasste kulturprägende Faktoren, die Lebenund Alltag der Menschen bestimmen, wieNatur und Umwelt, Wirtschaft, Geschichteund Gesellschaft in den Vordergrund zustellen.
Franz Grieshofer: Dieser Zugang hatsich bewährt. Für die Besucher* in derSchausammlung sollte deutlich werden,dass die Kultur einem ständigen Wandelunterworfen ist und die Objekte eineMehrdeutigkeit besitzen. Über ihre Funktionhinaus werden Museumsobjekte auch zuBedeutungsträgern.
Wie kam es zum ersten Raum( Raum 3)?Margot Schindler: Die Idee des ersten
Raumes war, den Besucher* innen denkulturwissenschaftlichen Zugang eines volks-kundlichen Museums bewusst zu machenund die Tatsache, dass dieser epochen-prägenden Wandlungen unterliegt, wie dieGesellschaft in ihrer Gesamtheit.
Ist etwas aus der alten Präsentationgeblieben?
Margot Schindler: Die Tiroler und die Vor-arlberger Stuben sind geblieben, allerdingsin einem neuen Sinnzusammenhang. Zudemblieb die historische Bezeichnung„ Bretagne"an einem Mauerdurchbruch bestehen, alsReminiszenzverweis an die breit ausgrei-fenden Sammlungsbereiche in ehemaligenReliktgebieten Europas.
Wisst ihr, warum sich relativ wenigeObjekte aus Ostösterreich in derSchausammlung befinden?
Margot Schindler: Die Schausammlung spie-gelt die Sammlungs- und Objektlage wider.Es sind daher bestimmte Regionen besservertreten als andere. Das, was wir zeigenwollten, war nicht abhängig von der regiona-len Herkunft der Realien, sondern von derenvielschichtigen Deutungsmöglichkeiten.
Franz Grieshofer: Das Volkskundemuseumbeschränkt sich auf die Erfassung der vor-modernen Zeit.
Bei der Konzeption der Neugestaltungwart ihr zu viert: Klaus Beitl, BernhardTschofen und ihr beide. Wie war dieZusammenarbeit?
Franz Grieshofer: Ziemlich gleichwertig.Jeder hatte seine Themen. BernhardTschofen hat gut und schnell mit Tex-ten arbeiten können. Es gibt die Raum-,Themen- und Objekttexte. Der zweiteRaum zur Natur war mir ein Anliegen. Dennje nachdem wo der Mensch lebt, nutzt erdie Natur, die ihn umgibt, anders und es