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WAS IST LOS IM VEREIN?
Unterwegs mit dem VereinBericht von der Exkursionnach Kittsee, Burgenland,vom 22. Juni 2023
Am Bahnhof Kittsee trafen sich 22 Teilneh-mer* innen unter der Leitung von ClaudiaPeschel- Wacha, um als erste Station dasGeburtshaus des bekannten Geigers JosephJoachim am gleichnamigen Platz Nummer 7anzusteuern. Dort wurden wir gastfreund-lichst begrüßt und erhielten zuerst Infor-mationen zum Haus, zur Familien- und zurFirmengeschichte der Bäckerei Ströck, dierund 70 Filialen- vorwiegend in Wien-und mittlerweile drei Feierabend- Lokale"betreibt. Dieses Gebäude ist das Stammhausder Familie Ströck, das Gerhard Ströck 2020in sehr renovierungsbedürftigem Zustandübernommen hat und seither mit viel Liebezum Detail saniert. Ströcks UrurgroßvaterJohann Hüttlinger hatte dort bereits in den1850er Jahren Brot gebacken. In diesemhistorischen Gebäude backt ein Bäcker ausFrankreich das„ Kittseer Holzofenbrot" ineinem restaurieren Holzbackofen. DiesenProzess, bei dem der Ofen bis 250 Gradgeheizt wird, durften wir erleben, das Krus-tenbrot noch warm verkosten und letzt-endlich wurde jeder Gast mit einem Brot alsGive- away verwöhnt.
Die nächste Station war die rund 1000Jahre alte Burg, die als Mautstation amDonauübergang nach beziehungsweise vonPreßburg/ Bratislava wirtschaftlich bedeut-sam war. Dort spielt auch die grausameGeschichte von Ladislaus Listy. Man sagt,dass er der schwarzen Magie verfallen war.Da er keine Nachkommen hatte, mordete erschwangere Prostituierte und gab die Kinderals seine eigenen aus. Letztendlich wurdeihm in Wien wegen Falschmünzerei der Pro-zess gemacht. 2008 erwarb der Geschäfts-
mann Gerald Strass die Burg und saniertedas mehrstöckige Gebäude mit dem kleinenInnenhof peu à peu. Das Gebäude beher-bergt die Wohnräume für seine Familie undauch seine Sammlungen an Radio- Gerätenund Oldtimer.
Frau Oberschulrat Irmgard Jurkovicsführte uns sachkundig durch den jüdischenFriedhof, der zwischen 1634 und 1935( letzteBestattung) in Verwendung war. 1938 wurdenalle 68 Juden aus Kittsee über die Grenze indie Slowakei vertrieben. Das 1600 qm großeAreal enthält 230 Grabsteine und ist dieeinzige erhalten gebliebene Gedenkstätte,die an die ehemalige jüdische Gemeinde vonKittsee erinnert.
Nach dem Essen im Bistro Hana pas-sierten wir auf dem Weg zum Schloss eineBrunnenskulptur, welche die vier Sprach-bzw. Volksgruppen symbolisiert, die Kittseegeprägt haben: die deutsche, kroatische,ungarische und slowakische.
Das Schloss geht auf einen Meierhofzurück, der 1668 vom neuen GrundherrnJohannes Graf Listy zu einer befestigtenSchlossanlage vergrößert wurde. Bereits1676 ging das neue Schloss in den Besitzdes Grafen Paul Anton Esterházy über,der es im Renaissancestil veränderte.1870 kam das Gut in den Besitz derFamilie Batthyány- Strattmann, aus derder 2003 seliggesprochene Arzt LadislausBatthyány- Strattmann stammt. Er war Arztund gründete 1902 das Kittseer Spital.
Von 1972 bis 2008 war das EthnografischeMuseum Kittsee im Schloss untergebracht.Nach der Schließung wurden die Sammlungs-bestände ins Depot des Volkskundemuseumseingelagert. Nach einigen Jahren des Leer-stands und nachfolgenden Renovierungenist im November 2022 das Gemeindeamteingezogen. Bürgermeister Johannes Hornekbegrüßte uns und führte uns durch dieschönen Säle im ersten Stock. Dort finden