Heft 
58 (2023) 4
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SCHAUFENSTER

Abschied von der Schausammlung

1994 wurde von einem kuratorischen Teamdes Volkskundemuseums gemeinsam mitdem Kulturwissenchaftler Bernhard Tschofenund der Architektin Elsa Prochazka dieSchausammlung des ÖsterreichischenMuseums für Volkskunde eröffnet. Damithat sie nun fast 30 Jahre lang gute Dienstegeleistet, war teils kratzbürstig, hat sichKritik gefallen lassen müssen, genauso wiesie überrascht und begeistert hat. Sie hatfröhlich immer wieder Gäste beherbergtund ist zuletzt unter dem Titel Die KüstenÖsterreichs" politisch geworden und inder Gegenwart angekommen. Nun wirdsie außer Dienst gestellt und die Objekteziehen sich in die Depots zurück. Nochbis So, 8.10.2023 haben Sie die Chance,sich ein letztes Mal Fragen zu Österreichanhand von Haarbildern, Küchenmessernund Schlauchbooten, ruraler Design- Avant-garde und DIY Handyhüllen zu stellen. ZurBegleitung dieses Abschieds haben wir einGespräch mit den damals federführendenKurator* innen Margot Schindler und FranzGrieshofer geführt, das Sie ab S. 32 finden.Am 5.10.2023 laden wir zu einem Gesprächmit den Kurator* innen sowie der Architektinder Schausammlung. Mehr dazu ab S. 18.Wir schließen nicht ohne einen neuenHorizont. Voraussichtlich Ende 2026 eröff-nen wir am gleichen Standort in anderemGewand ein neues Museum. Für zwei Jahreziehen wir aus dem Gartenpalais Schönbornaus, sitzen andernorts und treiben uns alsGäste in der Stadt um. Das kommt nicht vonungefähr, seit 2020 arbeiten wir an diesemProjekt, die Köpfe rauchen, es wird ander Logistik und am Bau getüftelt, großeTeile der Sammlungen werden digitalisiertund eingepackt,... das große Schwitzen,wenn ein ganzer Hausstand übersiedelt wird.

Wie wir das neue Museum genau denken,dazu melden wir uns- einen kleinenVorgeschmack gibt es bereits mit demAbschiedsprogramm. So viel ist klar, wir zei-gen weiterhin nicht nur historische Objekte,sondern wir treten in Beziehung und führenGespräche, wir eröffnen Möglichkeiten derTeilhabe. Die Breite unserer Interessen undden Wunsch, der Gegenwart auch in ihrenschwierigen Momenten auf die Schlichezu kommen, behalten wir bei. Wir arbeitendarüber hinaus intensiv daran, dies miteinem neuen Twist fortzuführen. Nur so vielsei verraten: es wird anders werden!

Die Pforte des Museums schließt erstEnde September 2024 für die Öffentlich-keit. Bis dahin gönnen wir uns zum Abschiednoch Programm. Der Planet brennt, dieDemokratien straucheln. Dem wollen wirFragen hinzufügen. Stellen werden wir siein mehr oder weniger performativer Manier.Wir werden uns gegen Bunkerstimmungenwehren, uns von einer Kl aus der Lobauerzählen lassen, dem Sound des Bodenslauschen, unsere Angst abgeben und uns inRuhe der Unbill der Gegenwart widersetzen.Wir bewegen uns durch das kommende Jahrunter anderem gemeinsam mit der Klima-biennale und den Wiener Festwochen, diebei uns zu Gast sein werden. Im nächstenHeft gibt's mehr, seien Sie gespannt auf dieZukunft wir sind es auch!

Herbert Justnik,Programmleitung