Heft 
58 (2023) 4
Seite
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32 INTERVIEW

,, Die Frage war, wie wir diehistorischen Sammlungen zurVolkskunst fruchtbar mit einemneuen Sinn erfüllen können."

Ein Gespräch mit Margot Schindler und FranzGrieshofer aus dem Kurator* innenteamder 1994 neueröffneten Schausammlung.

Die Neugestaltung der Schausammlungist nun fast 30 Jahre her. Wo stand dasVolkskundemuseum Anfang der 1990er-auch über die Landesgrenzen hinweg?Margot Schindler: Wir waren internatio-nal mit den Fachkolleg* innen gut vernetztund haben von Wien aus in alle Richtungengearbeitet. Auch waren wir innerhalb vonICOM( International Council of Museums)europaweit aktiv. Zudem hat unser ehemali-ger Standort, das Ethnographische Museumim Schloss Kittsee, Südosteuropa erschlos-sen und stellte vor allem für Kolleginnen undKollegen hinter dem damaligen EisernenVorhang einen Ankerpunkt dar.

Welche Zugänge der Volkskunde wurdenda diskutiert?

Franz Grieshofer: Ein Zugang war, dieunterschiedlichen Ethnien oder Volks-gruppen in ihren verschiedenen Formenoder Ausprägungen zu zeigen: sei es durchdie Tracht, durch ihr landwirtschaftlichesGerät oder in ihrer Volkskunst. Das warein interessanter Zugang- der aber nichtunproblematisch ist. Denn dadurch wurdetypisiert und etwas festgelegt, was sichohnehin stetig im Wandel befindet undweiterentwickelt wird.

Margot Schindler: Es waren teilweise Kons-trukte, die der Realität nicht Stand gehaltenhaben. Das zentrale Interesse der Muse-umsgründer bestand in der Sammlung von

Zeugnissen der sogenannten Volkskunst undin deren regionalem Vergleich.

Wie habt ihr damals während des Umbausin den 1980er bis 90er Jahren gearbeitet?Franz Grieshofer: Das Museum ist unterKlaus Beitl in den 1980er Jahren sukzessiveumgebaut und umstrukturiert worden.Margot Schindler: Vor der Renovierung gabes kaum eine adäquate Infrastruktur. Wirhatten weder Zentralheizung noch brauch-bare Werkstätten, Depots und Büros. Dasknappe Budget, das nicht aus dem Bundes-museumsbudget stammte, sondern sich auseiner Förderschiene speiste, ließ keinerleiBewegungsspielraum zu.

Was habt ihr mit den Objekten gemachtwährend des Umbaus?

Margot Schindler: Genaugenommen hattenwir keinen Platz für all die Objekte. Alles war,salopp gesagt, zugestopft" mit diversemSammlungsgut. Wir mussten zuerst Depotsschaffen und innerhalb dieses Arbeitsschrit-tes die Sammlungen neu bearbeiten undbewerten. Das war die Voraussetzung fürdie neue Schausammlung.

Franz Grieshofer: Dort, wo heute dieRestaurierwerkstatt und die Tischlereisind, waren damals unsere einzigen Depots.Da wurde praktisch alles untergebracht.Den ehemaligen Luftschutzbunker im Schön-bornpark haben wir dann peu à peu alsDepot dazubekommen.

Margot Schindler: Im Zuge der Renovierungdes Hauses wurden die Keramik im Kellerund die Metallobjekte im Dachboden unter-gebracht.

Franz Grieshofer: Als nächster großerSchritt kam Ende der 1980er Jahre dasDepot im Hafen Freudenau dazu. Wichtigwar auch die zeitgemäße Einrichtungvon Werkstätten. Der Höhepunkt dieserUmstrukturierung war die Fertigstellung der