Ausstellungen
Die Dauerausstellung
,, Die neue Schausammlung" ist der Momentder institutionellen Ankunft, der Selbstver-gegenwärtigung des Museums, das ideelleZiel musealer Sammlungen. Im Volkskunde-museum Wien kam man zuletzt im Jänner1994 an. Mit der Eröffnung der neuenSchausammlung ging eine mehr als zehnJahre dauernde Phase von Bautätigkeiten,Erweiterungsideen und alternativen Stand-ortüberlegungen zu Ende.
Präsentiert wurde eine deutliche Ent-koppelung der Objekte von erwartbarenKonzepten wie Regionalität, Technik oderChronologie. Diese Dekonstruktion volks-kundlichen Erzählkanons- gerade auch inder Ausstellungsarchitektur- rief zahlreichegegenläufige Reaktionen hervor.
Diesem Gestaltungsansatz kam einelange Haltbarkeit zu, wie sich aus heutigerSicht mehr als 25 Jahre später- zeigt.Die nach wie vor existierende Schausamm-lung eignet sich in ihrer abstrahierendenund reflektierenden Konzeption immernoch als Diskursraum.
Vermittlungsangebote nutzen im Jahr2020 die Schausammlung, um Forschungs-aktivitäten transparent zu vermitteln:Die Küsten Österreichs, die Provenienz-forschung im Museum und das Soja- For-schungsprojekt stehen jeweils in engemBezug zur Schausammlung und zeigen ihrePotenziale und Grenzen auf.
Das Begleitbuch zur Schausammlung ist in den OnlinePublikationen kostenlos downloadbar( www.volkskunde-museum.at/onlinepublikationen) oder über das Museumzu beziehen( buchbestellung@volkskundemuseum.at)
55. Jahrgang
Die Küsten Österreichs
Die neue Schausammlung desVolkskundemuseum Wien
Überarbeitete Dauerausstellungen sind inden ethnologischen Museen Europas zurzeitein Muss. Im Museum in der Laudongassehat eine Gruppe von externen Kuratorin-nen- alle im Asylverfahren- aber nicht nurein Update der bestehenden Sammlunggemacht, sondern auch einen neuenObjektbestand eingearbeitet. Als relevanteArtefakte der österreichischen Volkskundegelten neben Kleiderschränken aus TirolerBauernhäusern nun auch gepackte Reise-taschen, die bei der Mittelmeerüberfahrtzurückgelassen werden mussten. Die neuenObjekte legen Zeugnis dafür ab, wie Europaund Österreich zu Beginn des 21. Jahrhun-derts funktionieren.
Eine kaputte Schwimmweste als Museums-stück? Sammlungsobjekte der Volkskundesind zu einem großen Teil„ genuin wertlos",erklärt das kuratorische Team:„ Erst durchInterpretation und Kontextualisierung erhältdas Objekt seinen sammlerischen Wert."Vielleicht bringen ja gerade diese Samm-lungsstücke gefunden an den KüstenEuropas den Museen ihre ersehnteeuropäische Identität ein. Denn dort, woRegierungen und Grenzschutz die Schottendicht machen wollen, hat Europa so klareKonturen wie nirgendwo sonst.
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Das Begleitbuch zur Ausstellung ist in den OnlinePublikationen kostenlos downloadbar( www.volkskunde-museum.at/onlinepublikationen) oder über das Museumzu beziehen( buchbestellung@volkskundemuseum.at)
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