Das Museum als USEum
55. Jahrgang
Es waren eben nicht nur die großenHäuser und die Bundessammlungen, die imNationalsozialismus mit beschlagnahmtenDingen gut bedacht wurden oder nach 1945von den sogenannten Ausfuhrwidmungenprofitierten.
Wie thematisieren Museen Provenienz-forschung und Restitution in ihrenAusstellungen?
Das ist sehr unterschiedlich, und dieKommission hat hier keine Vorgaben. ImTechnischen Museum Wien beispielsweisegibt es eine eigene Dauerausstellung zudem Thema, Inventarnummer 1938. Ziel ist,dass diese Ausstellung, die nachweislichenteignete Objekte zeigt, irgendwann keineObjekte mehr haben wird. Der Umgang imVolkskundemuseum ist ebenfalls heraus-ragend. Es ist angesichts der umfassendenSammlungen des Museums erstaunlich,dass gerade in der Schausammlung einigeObjekte gezeigt wurden, die im National-sozialismus entzogen worden waren. Nachihrer Restitution wurden sie nicht einfachdurch andere Objekte ersetzt, sondern dasHaus setzt sich stattdessen offensiv mitihrem Nicht- mehr- da- Sein auseinanderund thematisiert die dadurch entstandenen
Leerstellen.
Was wurde bisher restituiert?
Der Beirat hat haben bisher Restitutions-empfehlungen für fast 60.000 Objektegegeben. Der Großteil dieser immensenZahl bezieht sich auf Bücher, der Restbesteht aus allen möglichen Arten vonObjekten, wie sie in den vielfältigen Inventa-ren der Sammlungen des Bundes zu findensind: Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafi-ken, Möbel, volkskundliche und technischeObjekte, Skulpturen, Objekte angewandterKunst, Münzen, Medaillen, Fotografien,
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Musikalien. Es ist weiterhin kein Ende derArbeit in Sicht.
Es gibt eine eigene Schriftenreihe derKommission für Provenienzforschung.Welchen Stellenwert hat Öffentlichkeitfür die Arbeit der Kommission?Hier wird mittels verschiedentlich gestalte-ter Öffentlichkeits- und Publikationsarbeitdie Tatsache zu kompensieren versucht,dass die Dossiers der Provenienzforschung,also die Entscheidungsgrundlagen für denKunstrückgabebeirat, unveröffentlichtbleiben. Eine wichtige Einrichtung hierbeiist das Lexikon der Österreichischen Pro-venienzforschung, eine Online- Publikation,in der jährlich neue Beiträge veröffent-licht werden. Im Idealfall gibt es zu jedemBeschluss und Dossier einen Lexikonein-trag: zu den handelnden Personen, zuden verfolgten KunstsammlerInnen, aberauch zu den in den NS- Vermögensentzuginvolvierten Personen und Institutionen. ImVordergrund steht hier der Wissenstransfer,jenseits juristischer Implikationen.
Was ist dir in deiner Arbeit besonderswichtig?
Es ist irritierend, dass mediale Aufmerk-samkeit nur dann gegeben scheint, wennein besonders wertvolles Kunstwerk zurRestitution empfohlen wird. Dabei wird oftverkannt, dass die Provenienzforschungin Wirklichkeit diese Recherchen nichtnur durchführt um das Gesetz zu vollzie-hen, sondern auch um das Wissen um dievielen schrecklichen Schicksale, denenwir bei dieser Forschung begegnen, ausdem Vergessen wieder hervorzuholen. Vorkurzem beschloss der Kunstrückgabebei-rat zum Beispiel, dass ein paar HundertWander- und Bergkarten aus der Österrei-chischen Nationalbibliothek zu restituieren