4/2020
Schaufenster
segelung der Fregatte Novara aufgenommenhatte( Abb. 2-3). Sein Mitarbeiter, der ihnauf der Reise begleitete, blieb in Japan undgründete ein Studio.
Im ausgehenden 19. Jahrhundertbeherrschte Europa mit einem expandie-renden Kolonialismus fast die Hälfte desPlaneten. Technologische Innovationenwie die Erschließung durch Eisenbahnen,dampfbetriebene Schiffe und Telegraphen-kabel machten die Welt erreichbar. Auchdie immer schneller einsetzbare Fotografie,ebenso wie verbesserte Drucktechnikenbrachten die Welt immer näher an diewestlichen Zentren heran. Sie führten zueiner visuellen Herrschaft über die Darge-stellten. Wer die Hoheit über Bilder undTexte hat, bestimmt, was von Anderenwahrgenommen wird. Durch die postulierterassische Minderwertigkeit kolonisierterBevölkerungen sollte Herrschaft legitimiertwerden, wie es das anthropologische Pro-jekt ausführlich vollzog.
Was die Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen so interessant macht,ist die Fiktion, auf die sie sich beziehen.Es herrschte der Glaube vor, es gäbe hinterbestimmten Populationen so etwas wieeinen Typus. Diese Gruppen legten Ethno-logen etwa über Ausbreitungsgrenzen fest- seien diese staatlich oder anders defi-niert( historisch national, oder sprachlichnational- jedenfalls ethnisierend gedacht).Sie wurden homogenisiert und damit inDifferenz zu anderen gesehen. Ein Mecha-nismus, der auch bei der Herausbildung derNationalstaaten wirksam war.
Der Typus wurde erzeugt, indem unterdie Fotografie einer Person eine Grup-penbezeichnung geschrieben wurde.So konnten die einen von den anderenauch visuell unterschieden werden- dasspäte 18. und das 19. Jahrhundert sahendie Herausbildung der Differenz. So wie
ein Volkskundler unter ein Studioporträt,, Oberösterreichisches Brautpaar"( Abb. 4)schrieb. Damit war das Bild von Josef undMitzi Maier nicht mehr deren privatesHochzeitsporträt, das sie für sich und ihreNahen als idiosynkratische Persönlichkeitenzeigt, sondern sie wurden zu Vertretern desTypus der oberösterreichischen Brautleute.Die Typenbilder erlebten eine überzeitlicheund örtliche Entrückung. Sie referenziertendie abstrakte Struktur des Volkes: konkreteÖrtlichkeiten wurden zum Teil wegretu-schiert, Zeitangaben fehlten. Im gezeigtenBeispiel sehen wir das Bild vor und nachdem Druck. Durch die Retusche scheintdie Figur im leeren Raum zu schweben( Abb. 5-6). Die Bilder fanden in einem Textvon 1914 Verwendung, die Aufnahmen selbststammen von ca. 1880- im Text als„ kürz-lich angegeben.
Herbert Justnik,
Kurator Fotosammlung
Weitere Informationen zu Volkstypen Glossar ::: zum Glossareintrag Volkstypen in der volks-kundlichen Fotografie im Ausstellungskatalog„ Gestellt.Fotografie als Werkzeug in der Habsburgermonarchie",einsehbar in den Online Publikationen.
Eine Ausstellung zu Fotografie in Galizien und derBukowina ist von 12. März bis 20. Juni 2021 im Volks-kundemuseum Wien zu besichtigen.
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