ERGÄNZENDE ZEICHEN
In außerordentlichen Fällen ist es notwendig, das Grabmal mit ergänzendenElementen zu versehen, die über den Verstorbenen und die Umstände seinesTodes näheren Aufschluß geben. So wird z.B. an dem Grabmal ledigerMädchen und Burschen, die im heiratsfähigen Alter verstarben, ein Band, einBrauttuch, ein Blumenstrauß oder eine Totenkrone angebracht- Zeichen, dieauf die unterbliebene Hochzeit verweisen. Mit diesen Symbolen versehen,wird das Grabmal dem Sarg voran zum Grab getragen und dort aufgestellt.Dieser im vergangenen Jahrhundert noch weithin verbreitete Brauch wirdverständlicher, wenn man bedenkt, daß sich nach Auffassung des ungari-schen Volkes das Leben eines Menschen erst mit der Ehe und mit der Sorgeum die folgende Generation wirklich erfüllt. Der im heiratsfähigen Alter ein-tretende Tod ist demzufolge ein besonders empfundener Verlust. Die Seeledes vorzeitig Verstorbenen kann- nach der Vorstellung des Volkes- nichtruhen, ja zur Bedrohung der Lebenden werden, da sie ihre Bestimmung, dieEheschließung und Familiengründung, nicht zu erfüllen vermochte. So wird,gleichsam zur Beruhigung der Seele, das für die Hochzeit ohnehin schonErsparte als Hochzeitsschmaus für den Toten verzehrt. Mit dem Begräbnisjung Verstorbener verflochten sich also auf die Hochzeit verweisendeGewohnheitselemente und Zeichen( so wird das Mädchen im Brautkleid, derBursche im Bräutigamsanzug bestattet, der Trauerzug erinnert an einenHochzeitszug und beim Leichenschmaus wird gesungen und getanzt).Aus dem Obengesagten wird der im Szeklerland noch lebendige und auchbei den Nachbarvölkern bekannte Brauch verständlich, demzufolge die vierEcken des Grabes eines Burschen oder eines Mädchens mit je einem wohl-geformten kleinen Tannenbaum geschmückt werden. Der Baumstamm wirdweiß bemalt oder mit einem Band umwickelt, in der Mitte ziert die Bäume einschwarzes Band. Die Ende der Zweige werden mit Knospen und Quasten ausPapier geschmückt. Die Tannen hätten dem Verstorbenen eigentlich amTage der Hochzeit gebührt, an dem es Sitte war, im Tor zum Hof desBurschen und vor der Haustür je zwei prächtig geschmückte junge Tannenaufzustellen und auf diese Weise dem jungen Paar gleichsam Kraft, Gesund-heit und Fruchtbarkeit zu wünschen. Die Hoffnung auf die Erfüllung dieserWünsche ging mit dem Tod des jungen Menschen verloren, weshalb manauch die Triebe der auf das Grab gestellten Bäume knickte( Abb. 22). InPecska tanzten im Jahre 1860 die jungen Leute nach dem Begräbnis der imheiratsfähigem Alter verstorbenen Burschen und Mädchen noch um daszugeworfene Grab, später- nachdem die Kirche solches Tun verbot- tanztensie nur noch am Friedhofstor. In Szék zogen die Zigeunermusikanten Glossar ::: zum Glossareintrag Zigeunermusikanten noch in
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