Schauen wir die Grabzeichen der traditionellen ungarischen dörflichenFriedhöfe an.
Die dörflichen Friedhöfe waren- wie überall im christlichen Europa- vomMittelalter bis etwa zum 18./19. Jahrhundert um die Kirche herum zu finden.Später, als die Siedlungen größer wurden, wählte man das Gelände am Ran-de der Dörfer. Bevorzugt waren kleine Hügel, Bergabhänge, im Gebiet derGroßen Ungarischen Tiefebene auch Erhöhungen des Bodens, ebensoGebiete, durch ein fließendes Gewässer vom bewohnten Dorf getrennt. Esentsprach traditionellen Vorstellungen, wonach die„, Alten", also die verstor-benen Ahnen, aus ihren oberhalb der Siedlungen gelegenen Gräbern dieLebenden beobachten, ob sie die alten Sitten wohl noch befolgten, zumal dieGeister der Toten Wasser nicht überschreiten konnten.
Das Dorf als Einheit von Lebenden und Toten
Der Friedhof aber ist einzigartig in seiner Art.
Er liegt auf einem so steilen Berg,
daß man den Toten, besonders bei matschigemWetter, mit einem Strick hochziehen muß.Hu, was werden die Armen für Salti mortaliproduzieren müssen, um an ihren
Bestimmungsort zu gelangen, wenn einmaldie Auferstehungstrompete ertönt.
( Aus: Rebell oder Revolutionär.
Petöfi im Spiegel seiner Tagebuchaufzeichnungen...Budapest 1973, S. 71)
Betrachten wir die ungarischen Dörfer und Landstädte, so können wirfeststellen, daß zu jeder größeren Siedlung notwendigerweise ein Geländegehört, auf dem die Toten beerdigt werden. In bestimmten Fällen haben auchdie Bewohner der Einzelgehöfte, jener typisch ungarischen Streusiedlungenin der weiten Flur der Marktflecken der Ungarischen Tiefebene, für ihre Totenkleine Friedhöfe angelegt, zumeist nur aus wenigen Gräbern bestehend.Heutzutage gibt es nur noch wenige ungarische Dorffriedhöfe, die seit Jahr-hunderten auf nahezu ein und demselben Gebiet liegen. Weitaus zahlreichersind jene Friedhöfe, die im Laufe der letzten eineinhalb bis zwei Jahrhunderte
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